"Ganz schwer, aufs Stockerl zu kommen"

23. Februar 2009, 12:23
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Kombi-Coach Diess schraubt Erwartungen zurück - Denifl vierter Mann im Quartett für Teambewerb am Donnerstag

Jablonec - Die "Null" in der Medaillenbilanz der WM 2007 in Sapporo soll sich für die ÖSV-Kombinierer in Liberec nicht wiederholen. Die dritte und wohl beste Chance, bei den 47. Titelkämpfen Edelmetall zu erobern, bietet sich im Teambewerb am Donnerstag (11.00/15.15 Uhr/live ORF 1). Doch die Ausgangssituation für das Quartett Mario Stecher, Bernhard Gruber, Willi Denifl und Christoph Bieler hat sich nach den ersten zwei Bewerben in die nicht gewünschte Richtung verschoben. "Es ist ganz schwer, aufs Stockerl zu kommen, aber wir sind bereit, anzugreifen", erklärte Cheftrainer Alexander Diess.

Bei den drei Weltmeisterschaften von 2001 bis 2005 hatten die Nordischen Kombinierer des ÖSV Silber, Gold und Bronze im Team erobert, noch beim Heim-Weltcup Anfang Februar in Seefeld hatten Stecher und Co. mit mannschaftlicher Stärke brilliert. Doch nach den ersten zwei WM-Bewerben ist plötzlich vieles anders. "Uns ist es in Liberec bisher nicht leicht von der Hand gegangen und andere schwimmen auf der Erfolgswelle", erklärte Stecher.

Der Wahl-Tiroler aus Eisenerz war beim Gewinn von Bronze 1997 und von Silber 2001 im ÖSV-Team gestanden und hat mit seinen Kollegen Olympia-Gold in Turin erobert. In Liberec sei die Chance zwar nicht groß, aber intakt. "Ich baue auf meine Wettkampfstärke, ich bin überzeugt, dass ich zulegen kann", erklärte der 31-Jährige. Er wird sich als Einstimmung gute eigene Sprünge ansehen, "damit ich in ein gutes Gefühl reinkomme."

Coach Diess wollte sich vor dem Wettkampf mit jeweils einem Sprung von der Großschanze und dem 4x5-km-Langlauf gar nicht viel mit den Gegnern beschäftigen, seine Athleten sollten sich auf die eigenen Stärken besinnen. "Mario hat den Killerinstinkt, Bernhard hat oft gezeigt, dass er im Wettkampf seine beste Leistung auspacken kann, Willi ist ein genialer Springer und voller Beißer und Bieles zieht sein Ding durch, er weiß genau, was er braucht", beschrieb der Oberösterreicher sein Quartett. "Wir sind eine eingeschworene Gemeinschaft und werden uns gegenseitig nach vorne pushen."

Die Tiroler Bieler und Denifl waren im Weltmeister-Team 2003 im Fleimstal dabei und sie wollen auch diesmal um Edelmetall kämpfen. "Ein Teambewerb hat eigene Gesetze, die Papierform hat da nichts zu sagen", erklärte der 31-jährige Bieler. "Wir wissen, dass wir sicher eine Chance haben, wenn wir die Leistung bringen."

Die Dichte sei freilich in einem Teambewerb noch nie so groß gewesen, sagte Bieler und stimmte da mit Sportdirektor Toni Innauer überein. Nach dem zweifachen Sieg von Todd Lodwick und Bronze von Bill Demong stuft er die USA sogar als Topfavorit ein, noch vor den laufstarken Norwegern und den in Sapporo zweitplatzierten Deutschen, die u.a. Weltcupsieger Ronny Ackermann und in Tino Edelmann den WM-Zweiten des Massenstarts in ihren Reihen haben.

Und dann kommt da noch Titelverteidiger Finnland, dessen Weltcup-Spitzenreiter Anssi Koivuranta in Liberec bisher leer ausgegangen ist, Frankreich mit Medaillengewinner Jason Lamy Chappuis und die überraschend starken Japaner. Inklusive Österreich ist da zumindest ein Quintett in der engeren Wahl.  (APA)

Wichtigere Ergebnisse des Mittwoch-Sprungtrainings:
Daito Takahashi (JPN) 131,5/1., 109,5/29., 131,5/1. Jason Lamy Chappuis (FRA) 131,0/3. 130,5/2. Bill Demong (USA) 116,5/26., 131,0/1. Todd Lodwick (USA) 108,5/47., 104,0/44. Christoph Bieler (AUT) 87,0/64., 106,5/38., 117,5/14. Bernhard Gruber (AUT) 120,5/15., 111,0/22., 122,5/7. Mario Stecher (AUT) 108,5/47., 119,0/7., 110,0/30. Willi Denifl (AUT) verzichtete so wie alle Finnen (u.a. Anssi Koivuranta, Janne Ryynänen) auf das Training

Ergebnisse vom Dienstag:
Jason Lamy Chappuis (FRA) 123 m/2. - 133,5/1. - 133/1.
Anssi Koivuranta (FIN) 123/2. - 132,5/2. - x
Todd Lodwick (USA) 112/33. - 121,5/11. - 125,5/9.
Bill Demong (USA) 117/15. - 122,5/10. - 127/6.
Ronny Ackermann (GER) 117/15. - 109/39. - 132/3.
Mario Stecher (AUT) 114,5/20. - 114,5/28. - 123/14.
Christoph Bieler (AUT) 116,5/18. - 119/14. - 125/10.
Bernhard Gruber (AUT) 122,5/4. - 129,5/4. - 118/23.
Willi Denifl (AUT) 119,5/7. - 124/7. - 122,5/15.
Marco Pichlmayer (AUT) 113,5/28. - 116/24. - 121/18.

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