Körperliche und seelische Wohltat

23. Februar 2009, 11:24
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Fasten stärkt das Selbstbewusstsein - Alltag sollte nicht beeinträchtig werden

Wien  - 40 Tage lang kein Alkohol, nichts Süßes oder weniger Rauchen: Zur Fastenzeit häufen sich die guten Vorsätze. Welchen Nutzen die selbst gewählte Abstinenz abseits des religiösen Faktors hat, erläuterte Cornel Binder-Krieglstein vom Berufsverband Österreichischer Psychologen (BÖP). Die Hauptsache sei jedenfalls, sich selbst etwas zu beweisen und so zu stärken. Im Alltag überhandnehmen sollte der gute Wille aber nicht.

Ideal und Wissensbeweis

Prinzipiell gehe es beim Fasten immer um Verhaltensänderungen - "und die sind das schwerste überhaupt", so Binder-Krieglstein. Aus psychologischer Sicht könne man zwei Motivationsgründe dafür unterscheiden: zum einen das Ideal, dem man nachkommen möchte, und zum anderen den schlichten Willensbeweis. Klar sei jedoch, dass zum gewählten Thema eine gewisse Affinität vorhanden sei, meist handle es sich um gesundheitsschädliche Dinge, die mit einem "Das sollte ich nicht tun"-Gefühl gekoppelt sind, erklärte der Psychologe.

Stärkung des Selbstbewusstseins

Der Effekt, den das Fasten mit sich bringt, ist für die Psyche prinzipiell positiv. "Man weiß dann: Ich kann ein Vorhaben umsetzen und habe die Befähigung, tiefe Gelüste im Zaum zu halten", sagte Binder-Krieglstein. So werde das Selbstbewusstsein gestärkt. Die Zeit des Fastens könne man auch für einen Reflexionsprozess nutzen und prüfen, wie lange man die Enthaltsamkeit durchhält bzw. ob und wie man den Verzicht auf das abendliche Glas Wein, die Tafel Schokolade oder die Zigarettenpause kompensiert.

Kontrollverlust vermeiden

Im Alltag verselbstständigen sollte sich die Idee aber trotz allem positiven Nutzen nicht: "Wenn das Thema Dominanz im täglichen Leben bekommt, wenn man zum Beispiel den ganzen Tag darüber nachdenkt, was man isst und Kalorien zählt, dann beeinträchtigt das den Alltag. Das Verhalten lässt sich dann nicht mehr abstellen und man misst ihm zu viel Gewicht bei", warnte der Psychologe. "Man muss selbst die Kontrolle über das Essen haben und nicht umgekehrt", fügte er hinzu.

Scheiternde Vorsätze

Hält man seinen Vorsatz nicht durch, ist in Trauer zu verfallen und zu glauben, dass man es eben nicht schafft, der falsche Weg. Besser wäre es, das Vorhaben erneut in Angriff zu nehmen und es beim zweiten Versuch einfach anders anzugehen. Nur weil man einmal gescheitert sei, bedeute das schließlich nicht, dass etwas prinzipiell nicht möglich sei, betonte der Experte. (APA)

  • Zur Fastenzeit häufen sich die guten Vorsätze - auf Alkohol oder Süßigkeiten wird oft verzichtet
    foto: derstandard.at/schersch

    Zur Fastenzeit häufen sich die guten Vorsätze - auf Alkohol oder Süßigkeiten wird oft verzichtet

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