Streit über Einkaufszentren

23. Februar 2009, 11:09
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Anträge auf Umbauarbeiten als "Alibi", um Tabakkonsum weiter erlauben zu können

Wien -  Das seit Jahresbeginn geltende Rauchverbot für die Gastronomie sorgt in Einkaufszentren (EKZ) für Wirbel. Die Wirte in den Shopping-Malls fühlen sich gegenüber ihren Kollegen wegen mangelnder Abtrennmöglichkeiten für Raucherräume benachteiligt und klagen über massive Umsatzeinbußen. Das Ergebnis: Das Chinalokal im oberen Stock verbannt den Tabakkonsum gänzlich, der Italiener daneben kümmert sich nicht um das Gesetz - böses Blut, Neid und Boykott sind die Folge.

Erfinderische Gastronomen

So scheinen Zigaretten scheinen in der Wiener Lugner-City zum Alltag zu gehören. Nicht nur, dass entlang der Gänge in zahlreichen Mistkübeln mit Nichtraucher-Aufklebern Stummeln ausgedrückt werden, zeigt sich auch so mancher Gastronom erfinderisch. So ist etwa ein Cafe-Schanigarten mit Aschenbechern bestückt, jedoch mit dem Zusatzhinweis, dass diese nur für Abfälle gedacht seien. Dass trotzdem an beinahe jedem Platz geraucht wird, stört die Kellner offenbar nicht. Der räumlich vom Shoppingbereich abgetrennte "Rauchersalon", den Betreiber Richard Lugner unlängst eingerichtet hat, bleibt dagegen vergleichsweise unbevölkert.

Ähnlich die Situation in der Millenium City: Auch hier wird oftmals an Tischen nahe der Shoppingzone gequalmt, wobei viele Cafetiers und Wirte ihre Aschenbecher eher in den hinteren Lokalbereichen angesiedelt haben. "Es wird mehr Rücksicht genommen, aber viele Gastro-Mieter dulden die Raucher", so Geschäftsführer Gerald Liebscher. Dies sei auch "eine Frage des wirtschaftlichen Überlebens", verwies der City-Chef auf die herrschende "Wettbewerbsverzerrung". Strafen seien bisher nicht verhängt worden, über mögliche Anzeigen oder Beschwerden wisse er nichts.

Auch im Donauzentrum (DZ) zeigen sich die Gastronomen unbeeindruckt. Zahlreiche Lokale bieten auch Raucherplätze unweit des Flanierbereichs an - und das trotz mehrerer Hinweistafeln mit der Aufschrift: "Rauchen verboten - im gesamten Shoppingcenter, also auch in Schanigärten". Laut Markus Pichler, als Österreich-Chef von Unibail-Rodamco auch für das DZ verantwortlich, gab es bisher eine konkrete Anzeige gegen einen Lokalbetreiber: "Wir können nicht lückenlos kontrollieren. Das ist auch nicht unsere Aufgabe", so Pichler. Er wolle unabhängigen Unternehmern gar nicht vorschreiben, wie diese sich zu verhalten haben. Generell herrsche jedenfalls großer Unmut, weil sich Gastronomen in Einkaufszentren gegenüber "normalen" Lokalbesitzern benachteiligt fühlten. Pichler sprach von "teils signifikanten Umsatzeinbrüchen von 25 bis 30 Prozent".

Widerstand gibt es auch in der Shopping City Süd (SCS) in Vösendorf bei Wien. 35 bis 40 Gastronomiebetriebe halten sich teilweise an das Rauchergesetz. Andere Lokale boykottieren es, allen voran die Kaffeehäuser. Als dort nicht geraucht wurde, wären Umsatzeinbußen von 50 bis 60 Prozent verzeichnet worden. Laut SCS-Center Manager Anton Cech stellen Kellner teilweise keine Aschenbecher auf die Tische, will ein Kunde rauchen, werden sie ihm aber gebracht. Man habe die Gastronomen über die geltenden Gesetze informiert, meinte Cech, der sich - für die SCS - mit dem Gesetz aber auch "nicht glücklich" zeigte. Erwische man säumige Betriebe, würden diese abgemahnt. Die zuständige Bezirkshauptmannschaft habe nach Anzeigen nun begonnen, entsprechende Strafbescheide auszustellen.

"Husch-Pfusch-Gesetz"

Kleinere Probleme mit dem neuen Tabakgesetz gibt es auch in Salzburger EKZ: In der Landeshauptstadt liegen sechs Anzeigen gegen Wirte vor, deren Gaststätten in die Shopping Malls reichen und wo trotz Rauchverbot offenbar gequalmt wurde. Strafen wurden nach Angaben von Roland Schagerl, Leiter des Strafamtes am Salzburger Magistrat, noch keine eingehoben, die Verfahren laufen noch. Eingelangt seien drei Anzeigen gegen Gastronomen im "Europark" und weitere drei gegen Lokalbesitzer in der "Kiesel-Passage". Derzeit werde überprüft, ob die betroffenen Betriebe einen Antrag auf bauliche Abtrennung eingebracht haben, so Schagerl.

Das Rauchverbot in den Shopping Malls des Europarks werde gesetzeskonform durchgezogen, betonte Centermanager Christoph Andexlinger gegenüber der APA. Allerdings handle es sich um ein "Husch-Pfusch-Gesetz", das ein völliges Ungleichgewicht unter den Gastronomen herbeiführe. Jene Lokale, die Tische in der Mall stehen haben, hätten Umsatzrückgänge festgestellt. Die Beschwerden der Besitzer gingen in Richtung Gesetzgeber, "aber keiner sagt, dass er zusperren will", so Andexlinger.

In der "Shopping City (SC) Seiersberg" bei Graz haben sich die Gastronomiebetreiber biespielsweise zusammengeschlossen und auf eine "inoffizielle" Lösung geeinigt: Während an den Tischen in der so genannten Mall nicht geraucht wird, erlauben die Wirte in ihren "Kojen" den blauen Dunst. Eine räumliche Trennung könne rein architektonisch nicht geboten werden, argumentiert Michael Schwab, der zusammen mit seiner Ehefrau das Lokal "Insider Cafe" in der SC Seiersberg betreibt. Zwar hätten alle Gastronomen bei der Behörde einen Bescheid zum Umbau eingereicht, doch das sei "nur Alibi".

Tatsächlich seien bauliche Maßnahmen zur Trennung kaum realisierbar, so der Wirt im APA-Gespräch. "Ich verstehe das Gesetz bei Essenslokalen, aber wir sind ein reines Cafe. Wenn wir ein totales Rauchverbot bekommen, können wir zusperren." Verwirrend dazu die Aussage von SC Seiersberg-Geschäftsführerin Anita Bräunlich, laut der das komplette EKZ rauchfrei ist. Die Unternehmerin geht zwar von einer "schlimmen Umstellung" für die Gastronomen aus, agiert werde aber gesetzeskonform. Genau vor einem Jahr habe man zwei Raucher-Loungen eingerichtet. Von der Lösung der Wirte will Bräunlich nichts gewusst haben.

 

Initiative will Gespräch

Für die "Gleichstellung der Gastronomen in Einkaufszentren mit jenen in der Peripherie" setzt sich die Mitte Jänner in Tirol formierte Interessengemeinschaft ein. Eine österreichweite Arbeitsgruppe für einen "stärkeren Auftritt mit Verbündeten" sei geplant, sagte Thomas Geiger von der Tiroler Wirtschaftskammer. "Wir haben bereits um einen Terminvorschlag bei Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) angesucht", erklärte der Gemeinschafts-Sprecher Josef Peer der APA. "Unsere Probleme müssen bei den Politikern Gehör finden."

Man könne nicht mehr überleben, wenn das Rauchverbot in den Einkaufszentren (EKZ) aufrecht bleibe. Diejenigen, die sich an das Gesetz halten, müssen "massive" Umsatzeinbußen von bis zu 60 Prozent in Kauf nehmen, fügte Geiger hinzu. "Jeder zweite Betreiber, wenn nicht mehr, hält die Regelung des Rauchverbots in den Einkaufszentren nicht ein." Erste Strafanforderungen in Form der Höchststrafe zwischen 1.000 und 2.000 Euro habe es in einem Innsbrucker Einkaufszentrum bereits gegeben. "Allein in Tirol müssten in den nächsten drei bis vier Monaten bis zu 400 Leute entlassen werden, würde man das Rauchen ab sofort verbieten", schätzte der Sprecher. Bis zu 4.000 Beschäftigte in den Gastronomiebetrieben der EKZ würde es in ganz Österreich treffen. (APA)

 

 

 

 

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