Malen hält jung

23. Februar 2009, 10:03
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Fehlt es an eigenen Kindern, freut man sich, theoretisch, über Nichten und Neffen

Fehlt es an eigenen Kindern, freut man sich, theoretisch, über Nichten und Neffen. Mit einem besonders tüchtigen Exemplar der Spezies scheint der berühmte indische Maler Sayed Haider Raza gesegnet zu sein - wobei er sich selbst wahrscheinlich einer anderen Beschreibung bedienen würde. Der gute Onkel, dessen Werke Spitzenpreise erzielen, hat seinen Neffen jüngst geklagt, und das kam so: Große Raza-Werkschau in Delhi, der 86-jährige Meister reist aus Frankreich, wo er lebt, zur Eröffnung an, geht staunend durch die Ausstellung, sagt nichts, geht noch einmal durch und teilt den fassungslosen Galeristen mit - lauter Fälschungen.

Als Quelle der Bilder entpuppte sich der liebe Neffe, der behauptet hatte, sie stammten "aus einer früheren Wohnung" des Onkels. Wollte er die Bilder durch ihre Präsenz in der Schau quasi taufen lassen? Aber Razas Teilnahme an der Vernissage war lange geplant, und der Neffe begleitete ihn scheinbar sorglos von Bild zu Bild. Setzte das nepotistische Pokerface etwa ganz fest darauf, dass Onkelchen senil sei? Wenn es wirklich so war: Diese Fehlkalkulation wäre ihm nie unterlaufen, würde er Maria Lassnig kennen. (guha/DER STANDARD, Printausgabe, 23.2.2009

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