Ein Studium für Praktiker und "Krisentypen"

23. Februar 2009, 09:53
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Die Fachhochschule Kufstein bildet Restrukturierungs- und Sanierungsmanager aus - In Zeiten der Wirtschaftskrise feiern die Absolventen Hochkonjunktur

Zahlungsunfähige Kunden, nervöse Bankiers und kaum frisches Geld bereiten immer mehr Unternehmen Probleme. Experten erwarten 2009 in Österreich bis zu 15 Prozent mehr Pleiten. Damit es erst gar nicht so weit kommt oder im Ernstfall gerettet wird, was noch zu retten ist, sind Profis gesucht. Unternehmensberater und Wirtschaftskanzleien erweitern ihre Angebotspalette in diesem Geschäftsfeld, auch um Kredite bangende Banken bauen den Sanierungsbereich aus.

Weiterbildung für Praktiker

"Der Bedarf an Experten steigt, und auch viele, die bereits im Krisensanierungsmanagement tätig sind, wollen ihr Know-how vertiefen und erweitern", sagt Wolfgang Klose, Studiengangsleiter der FH Kufstein. Diese bietet den Studiengang für "Krisen- und Sanierungsmanagement" an. Das berufsbegleitende Masterstudium zieht vor allem Praktiker an: Führungskräfte, Unternehmer, Consulter, Rechtsanwälte und Banker zählen zu den Studenten.

"Wahrscheinlich könnte man das auch ,on the job' lernen, doch man würde wesentlich länger dafür brauchen", sagt Absolventin Edith Wieland. "In Kufstein bekommt man sehr viel sehr komprimiert vermittelt: den theoretischen Hintergrund, die Zusammenhänge sowie die rechtlichen und betriebswirtschaftlichen Instrumentarien." Die Motivation zum Studium war für die im Kommerzkundengeschäft der Raiffeisen-Landesbank Tirol tätige Bankerin der Wunsch, in den Sanierungsbereich zu wechseln: "Das ist für mich die Königsdisziplin der Betriebswirtschaft." Wieland hat sich auf die Intensivbetreuung maroder Tourismus- und Gewerbebetriebe spezialisiert.

In Kufstein hat sie gelernt, die Zahlungsprobleme ihrer Bankkunden ganzheitlich zu sehen. Das ursächliche Problem liege meist tiefer, nicht selten im Geschäftsmodell selbst. "Um der Lage Herr zu werden, ist es in den seltensten Fällen genug, bloß Liquidität zur Verfügung zu stellen." In der Rezession wird es gerade für Krisenkunden gefährlich, denn ihre Lage kann sich rasant verschlechtern. In Aufschwungsphasen könne man sicher "länger weiterwurschteln".

"Wurschtelnde" Klein- und Mittelbetriebe sind auch Hannes Danners täglich Brot. Der Salzburger Unternehmensberater hat sich auf externes Finanzcontrolling sowie Unternehmen in finanziellen Schwierigkeiten spezialisiert. Die bisher wichtigste Erkenntnis, die er von der FH in den Berateralltag mitnahm: "Tiefe Schnitte möglichst früh ansetzen." Einer seiner Kunden beispielsweise, ein Spezialist für Heilbehelfe, erwirtschaftete gut 20 Prozent des Umsatzes mit Inkontinenz-Windeln. Der Windelvertrieb war jedoch ein auswegloses Verlustgeschäft, zumal die Krankenkassen den Verkaufs- und ein paar Großhändler den Einkaufspreis diktieren. "Schluss damit", lautete Danners Empfehlung. Die erste Reaktion des Klienten sei Entsetzen gewesen - er fürchtete die Konfrontation mit der Hausbank. Danner: "Die Bank wird selbst mit einem so großen Umsatzverlust kein Problem haben, wenn das Unternehmen am Ende mehr verdient. In diesem konkreten Fall war das ein Schnitt, der sehr schnell gegriffen hat."

"Ich bin ein Krisentyp", sagt Christian Süß. Der erfahrene Manager aus Bayern suchte nach einem zu seiner Persönlichkeit passenden Weiterbildungsangebot und fand es an der FH Kufstein. Sein Karriereziel: Sanierungsmanager. Die Ausbildung beurteilt der Absolvent als "wohl durchdacht", doch ließe die Vermarktung des Studiengangs zu wünschen übrig. Eine stärkere Vernetzung der FH mit der Restrukturierungsbranche könnte den Absolventen "eine Menge Feldarbeit" ersparen. Denn um sich als Sanierer einen Namen zu machen, sind Kontakte unerlässlich. Derzeit restrukturiert Süß einen Geschäftsbereich eines großen Unternehmens, doch es zieht ihn an die vorderste Front: "Ich denke, dass in der Wirtschaftskrise, nicht zuletzt wegen der Arbeitsmarktsituation, Rettung und Fortführung insolventer Unternehmen Priorität haben." (Ruth Reitmeier/DER STANDARD Printausgabe, 21./22. Februar 2009)

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    Einflug zum Turnaround: Vor der drohenden Pleite stehen die Krisenmanager der FH Kufstein mit Rat und Tat zur Seite.

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