Minidrama "Spielzeugland" gewinnt

23. Februar 2009, 09:17
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Berliner Jochen Alexander Freydank gewann mit 14-minütigem Kurzfilm

Los Angeles - Der 41-jährige Berliner Jochen Alexander Freydank sicherte sich bei der heutigen 81. Oscar-Verleihung mit seinem 14-minütigen Minidrama "Spielzeugland" als dritter Deutscher seit 1994 den Oscar für den besten Kurzfilm. Zuletzt hatte 2001 Florian Gallenberger mit "Quiero Ser" (Ich möchte Sein) in dieser Kategorie den begehrtesten Filmpreis der Welt gewonnen. 1994 war Pepe Danquart für "Schwarzfahrer" ausgezeichnet worden.

Notlüge als Storyboard

In "Spielzeugland" geht es um eine Mutter (Julia Jäger), die ihrem Sohn während des Zweiten Weltkrieges verschweigt, dass die jüdischen Nachbarn in KZs deportiert werden. Stattdessen erzählt sie, dass die Familien in eine Art Freizeitpark reisen. Der Bub glaubt ihre Schilderungen und macht sich auf den Weg, um selbst dieses "Spielzeugland" zu besuchen. In einem Zeitungsinterview hatte Freydank erzählt, dass ihm die Idee zu "Spielzeugland" gekommen sei, als er selbst seinem kleinen Sohn mal wieder eine Notlüge aufgetischt hatte, um die grausamen Bilder aus den Nachrichten zu erklären. Der Film hat nach Angaben der Berliner Lottmann PR-Agentur bereits 18 nationale und internationale Preise erhalten.

Nach dem Gewinn des Kurzfilm-Oscars erhofft sich Freydank nun ein breiteres Publikum für "Spielzeugland". Es sei immer schwierig, Kurzfilme ins Kino zu bringen, sagte der Regisseur. Seinen Streifen habe er aus einem gewissen Ärger heraus gemacht, so der Regisseur zur Deutschen Presse-Agentur dpa direkt nach der Auszeichnung: "Solange es bei uns noch Nazi-Parteien gibt, müssen wir versuchen, etwas dagegen zu tun."

Filmhochschule lehnt Regisseur ab

Dabei war der am 15. September 1967 in Berlin geborene und in der DDR aufgewachsene Freydank mehrfach von Filmhochschulen abgelehnt worden. Beirren ließ er sich davon nicht. Er begann seine Karriere als Cutter, arbeitete jahrelang als Regieassistent für Film und Fernsehen. Er schrieb Drehbücher (zum Beispiel für den "Polizeiruf 110" oder "Dr. Sommerfeld - Neues vom Bülowbogen") und führte Regie bei Off-Theaterstücken sowie bei Werbe- und Kurzfilmen. 1999 gründete Freydank seine eigene Firma, um seine Projekte realisieren zu können. "Ich bin Regisseur", betont er, wenn er nach seinem Beruf gefragt wird.

2002/2003 drehte er eine kleine politische Satire mit dem Titel "Dienst" über einen Wachmann. "Eine schwarze Komödie, wie ich überhaupt zum schwarzen Humor neige", wie Freydank sagt. Jetzt plant er seinen ersten "richtigen" 90-Minuten-Kinofilm, über den er aber noch nicht sprechen will. Im Internet kündigt seine Firma den Spielfilm "Der Bau" an, nach einer Erzählung von Franz Kafka. (APA/dpa)

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