Citigroup braucht noch mehr Staat

23. Februar 2009, 08:58
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Mit acht Prozent ist der US-Staat an der ehemals weltgrößten Bank bereits beteiligt, Manager hoffen nun auf einen 25 Prozent-Einstieg

Hongkong - Die US-Regierung könnte einem Zeitungsbericht zufolge einen Anteil von bis zu 40 Prozent der Stammaktien an der Großbank Citigroup anstreben. Das berichtet das "Wall Street Journal" (WSJ) am Montag auf seiner Internetseite unter Berufung auf Personen, die mit den staatlichen Plänen vertraut sind. Die Manager der Bank hofften indes, dass die Gespräche mit der Regierung in einer Beteiligung von etwa 25 Prozent mündeten.

Die Citigroup hat von der amerikanischen Regierung im Rahmen des TARP-Programms zur Stützung der Finanzbranche seit Oktober 45 Mrd. Dollar (35,7 Mrd. Euro) bekommen. Dafür erhielt der Staat Vorzugsaktien. Der Zeitung zufolge könnte nun ein Großteil der Vorzugspapiere in Stammaktien umgewandelt werden.

Die Nachrichtenagentur Reuters erfuhr aus Kreisen, dass die Gespräche zwischen der Citigroup und den Behörden zu einer Anteilsaufstockung des Staats bei der Bank führen könnten. Die Aktienfutures an den US-Börsen drehten nach dem Bericht ins Plus, während sich die US-Anleihen auf Talfahrt begaben.

Unter Berufung auf einen Sprecher berichtete die Zeitung zudem, dass die Bank of America dagegen nicht über eine größere Beteiligung der Regierung verhandle. Die US-Regierung hatte dem Kreditinstitut erst kürzlich mit einer weiteren Milliarden schweren Finanzspritze und umfangreichen Garantien unter die Arme gegriffen. Damit will der Staat die nach Anlagen größte Bank des Landes stabilisieren, deren Bilanz durch den Kauf von Merrill Lynch belastet ist.

Keine gänzliche Verstaatlichung

Die "Financial Times" (FT) berichtete, dass die Regierung ihren Anteil bei der Citigroup vergrößern könnte. Eine Beteiligung von bis zu 40 Prozent sei möglich. Die Behörden wollten jedoch nicht so weit gehen, die Bank gänzlich zu verstaatlichen. Das US-Finanzamt wollte die Berichte zunächst nicht kommentieren.

Die Aktien der Citigroup und Bank of America waren am Freitag an der Wall Street aufgrund von Ängsten vor einer Verstaatlichung zeitweise dramatisch eingebrochen. Erst ein ausdrückliches Bekenntnis des US-Präsidialamtes zum privaten Bankensystem begrenzte die Verluste. "Lassen Sie mich so gut wie ich nur kann versichern: Diese Regierung ist weiterhin fest davon überzeugt, dass ein privates Bankensystem der richtige Weg ist", hatte der Sprecher von Präsident Barack Obama, Robert Gibbs, gesagt. "Das ist unsere Überzeugung seit einiger Zeit und wir bleiben dabei." Zuvor hatte der Vorsitzende des Bankenausschusses des Senats, Christopher Dodd, der Agentur Bloomberg erklärt, die Verstaatlichung einiger Banken könne zumindest für eine kurze Zeit nötig sein.

Die Entwicklung bei Citigroup und der Bank of America hat nach Einschätzung von Analysten maßgebliche Auswirkungen für den Bankensektor und die US-Wirtschaft allgemein. (APA/Reuters)

Link
Wall Street Journal: U.S. Eyes Large Stake in Citi

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