Schweden lehnt Soforthilfe für insolvente GM-Tochter ab

23. Februar 2009, 17:40
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Premier Reinfeldt plädiert für europäische Lösungen

"Wir glauben nicht, dass dem Gemeinwohl gewidmete Staatsgelder dafür verwendet werden sollten, Autos zu bauen." Trotz der desolaten Lage des schwedischen Autobauers Saab bleibt die Regierung in Stockholm bei ihrem Nein zu staatlicher Soforthilfe für das insolvente Unternehmen.Das bestätigte Schwedens Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt am Montag im Rahmen seines Wien-Besuchs. Schweden wolle sich auch nicht eine Situation bringen, die damit enden könne, dass der Staat das Unternehmen besitze, unterstrich der Regierungschef.

Stockholm sei jedoch bereit, dem Unternehmen Kredite im Einklang mit der Europäischen Investitionsbank zu gewähren. Um Kredite bei der Bank zu erhalten, muss ein Unternehmen 50 Prozent der Finanzierung selbst aufbringen. "In diesem Fall wird der Staat gefragt, um den Kredit zu garantieren. Das könnten wir tun - wenn es unter Marktbedingungen stattfindet", sagte Reinfeldt. "Wir bekommen Geld dafür und hätten angemessene Sicherheiten."

Doch auch da bleibt Schwedens Regierung noch zurückhaltend. Reinfeldt verwies auf die unklare Eigentümersituation. Der US-Konzern General Motors hat angekündigt, sich ganz aus dem Unternehmen zurückzuziehen.

Saab will innerhalb von drei Wochen einen Restrukturierungsplan vorlegen und künftig als unabhängiges Unternehmen bestehen - ein Plan, dessen Machbarkeit von Experten bezweifelt wird. Reinfeldt: "Wir fragen uns, wer der Eigentümer nach General Motors sein wird. Der schwedische Staat kann es nicht sein. Wir brauchen die Antwort darauf, bevor wir uns auf die Partnerfinanzierung einlassen können."
In dem für Saab angedachten Ansatz sieht Reinfeldt auch einen möglichen Weg, eine europäische Antwort auf die Krise in der Autoindustrie zu finden. "Das ist besser, als sich auf protektionistische Mittel einzulassen."

Nach Aussage von Saab-Chef Jan-Ake Jonsson gibt es nach dem Antrag auf Gläubigerschutz des Unternehmens bereits Interessenten. Investoren und andere Autobauer hätten Interesse bekundet, sagte er der Tageszeitung Dagens Industri. Außerdem habe das Unternehmen die Geschäftspläne deutlich nach unten korrigiert. Die Zeitung berichtete auf ihrer Internetseite ohne Quellenangabe, dass der Plan für heuer einen Absatz von 65.000 bis 70.000 Fahrzeuge vorsehe, nach 94.000 im Vorjahr.

Von den Kalamitäten bei Saab ist auch Magna Steyr betroffen. Experten schätzen, dass die Produktion von Saab Cabrios in Graz von zuletzt 11.000 Stück auf heuer 5000 zurückgeht. (Julia Raabe, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.02.2009)

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