Zehnter Jahrestag der Katastrophe von Galtür

23. Februar 2009, 12:11
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Lawine schlug auch im Nachbarort Valzur zu - Insgesamt waren 38 Todesopfer zu beklagen

Galtür - Mit einem schlichten Gedenkgottesdienst erinnern Einheimische und Angehörige von betroffenen Urlaubern am Montag im auf 1.600 Meter hoch gelegenen Tourismusort Galtür an jene Jahrhundertlawine, die 1999 31 Menschen in den Tod gerissen hat. Zum Jahrestag präsentiert sich der 800 Einwohner zählende Ort tief verschneit, der böige Wind sorgt bei drei Grad unter Null bereits im Tal für Schneeverwehungen. Schon am Ortseingang sind erste Lawinenverbauungen zu sehen. Den Ortsteil Winkl, der vor zehn Jahren am schwersten betroffen war, schützen heute zwei überlappende Dämme auf einer Länge von 345 Metern. 700 Tonnen Stahl wurden in den bis zu 19 Meter hohen Wänden verbaut.

Auch ohne Jahrhundertwinter überschreiten die Schneehöhen zum Teil die Erdgeschoßfenster vieler Häuser. Am Dorfplatz warten wie jeden Tag Urlauber in dicken Overalls auf den Skibus, der sie zum Lift im am Talende liegenden Ortsteil Wirl bringt. Die Fahrt führt mitten durch Winkl, jenen Ortsteil, in dem die Jahrhundertlawine vom fast 2.700 Meter hohen Grieskogel eine Spur der Verwüstung zog, dutzende Häuser zerstörte und erst wenige Meter vor der Pfarrkirche haltmachte. Trotz des Schneefalls reißen die Wolken etwas auf und geben den Blick frei auf den unteren Teil des Grieskogel, von dem die Schneemassen mit einer Geschwindigkeit von 300 Km/h ins Tal donnerten.

In der Pfarrkirche bringt es eine Einheimische, die eine Kerze für Angehörige entzündet, auf den Punkt, was auch Bürgermeister Anton Mattle bestätigt: Die Galtürer gehen mit dem Jahrestag gut um, aber es ist gut, wenn es wieder vorbei ist. Bischof und Landeshauptmann kommen am Abend zu der Feier. Auch der eine oder andere Angehörige der getöteten Urlauber hat immer noch Kontakt zur Gemeinde und traut sich trotz Winterwetter ins Paznaun.

"Demut gegenüber der Natur"

Mattle selbst zählte in den vergangenen Tagen und Wochen rund 50 Journalisten aus Österreich, Deutschland, Holland, Dänemark und Tschechien, die an Ort und Stelle berichteten. Neben Schönwetter wünscht er sich vor allem "Demut gegenüber der Natur", die man zum Leben in diesem hochalpinen Raum einfach brauche. Zehn Millionen Euro wurden in Verbauungen investiert, das in einen der Wälle integrierte "Alpinarium" nicht mitgerechnet. All jene Familien, die seinerzeit betroffen waren, hätten wieder ihre Häuser aufgebaut, niemand sei weggegangen. Viel sei nach der Lawine in Wetterprognosemodelle investiert worden, von denen nicht nur das Hintere Paznaun profitiere, betont der seit 1992 amtierende Ortschef.

Wirtschaftlich gesehen sei der Ort wieder im Jahr 1999 angekommen. 1998 gab es 430.000 Übernachtungen. Nach einem 25-prozentigen Rückgang wurden 2008 441.000 Nächtigungen gezählt. Am meisten mache ihn stolz, dass es keine Abwanderung gebe, sondern sein Ort wachse und niemanden der Mut verlassen habe, betont der Bürgermeister. Dafür spreche auch so manche positive Geschichte, die aus der Katastrophe entstanden sei. Wie die jenes Galtürers, der als einer der letzten lebend geborgen wurde, sich im Krankenhaus in seine Krankenschwester verliebt hatte und heute mit seiner Frau und den beiden Kindern im Ort lebe.

Für die Urlauber selbst verläuft der Jahrestag wie jeder andere Ferientag auch. Wer anstelle des Skitages bei Schnee und kaltem Wind ein Alternativprogramm sucht, wird im Alpinarium fündig und dort mit der jüngeren Geschichte des Ortes konfrontiert: "Leben am Berg. Faszination Schnee - Mythos Lawine" heißt die aktuelle Ausstellung. Und auch der Opfer wird gedacht. Ein Triptychon des Künstlers Arthur Salner ergänzt die Inszenierung des "Lebens am Berg" und soll ein Memento im Raum der Erinnerung sein, an jene 31 Schicksale, die in Galtür nicht vergessen sind. (APA)

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    Galtür einen Tag nach der Lawinenkatastrophe. Insgesamt starben 31 Menschen in den Schneemassen.

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