Hundsfragen

22. Februar 2009, 20:35
50 Postings

Katzenmenschen sind ahnungslos - wenn es um Hunde geht - Darum stellt M. Fragen über Bannerwerbung auf Hunden und andere canide Mysterien

Es war vor zwei Wochen. Da stellte M. seine erste Frage. M. ist ein Katzenmensch. Und als solcher (oder ganz allgemein: Nichthundebesitzer), meint er, sei es manchmal schwer, Hundebesitzer zu verstehen. Auch, weil das Verhältnis zwischen diesen Bevölkerungsgruppen nicht ganz so friktionsfrei ist, dass jeder Mensch der an einem Ende einer Leine hängt, auf Grundsatzfragen eines Leinenlosen immer überhaupt antworten würde. Schließlich implizieren Fragen Nichtwissen. Nichtwissen wird oft mit Unverständnis gleich gesetzt - und wer nicht versteht, dass der andere im Alleinbesitz der Wahrheit ist, ist sowieso ein Feind. Oder so ähnlich.

M. jedenfalls bezog sich in seinem Mail auf die häufige Erwähnung jenes schwarzen 36-Kilo-Köters, der in den vergangenen zwei Jahren hier immer wieder aufgetaucht ist (und es weiter tun wird). Und er meinte, dass es vielleicht noch andere Menschen gibt, die nie laut fragen, verlangte M., dass ich aus seinen Fragen ein kleines Q-&-A-Stück basteln solle.

M: als nichthundebesitzer fallen mir in letzter zeit beschriftete hunde auf. Nein, zum Glück keine brandzeichen sondern dicke schriftzüge seitlich am halsband oder sagt man zu der hundefesthaltekonstruktion besser "geschirr"? was hat es damit auf sich? macht "steuerzahler" hundsmarkenkontrolle unnötig? kann ich mich bei "der tut nix" wirklich drauf verlassen? muss ich mich bei "rambo" fürchten oder ist das eine art geheimcode an denen kunden ihre dealer per hundeaufschrift erkennen?

R: Individuell beschriftetes Hundegeschirr gibt es lange. Allerdings hat es sich erst seit etwa zwei Jahren seinen Weg in die Tierauststattungssupermärkte und damit in den Straßenbild-Mainstream gebahnt. Die Aufschriften sind meist auf Klettverschlussbänder aufgedruckte Worte, Namen und Begriffe - ähnlich den Namensschildern für Fernfahrer oder Kaffeehäferln für Bürositzer, die man in Autobahnratsstätten bekommt. Ähnlich originell angelegt ist auch das Spektrum an Hundebeschriftungen.

Es gibt aber auch individuell betextbare Hundegeschirraufschriften. Aber wenn an dem Tier nicht „Polizei", „Rettungshund",„Blindenführhund" oder etwas ähnliches - zum Halter in unmittelbarer Nähe passendes - steht, wäre ich skeptisch, der Aufschrift zu glauben: Autos auf denen „Jägermeister" steht, transportieren ja auch nur selten Förster. Und ein Halter, der auf seinen Hund „der tut nix" draufschreiben muss, weil das Tier nicht auf seinen Ruf reagiert, ist keine verlässliche Quelle.

M: sollte der tierschutzverein bei "grunzkäfer" dem hunde zuliebe einschreiten?

R: Auf keinen Fall. Hunde können nicht lesen. Und menschlicher Humor ist ein weites Feld. Außerdem werden Hunde, die auf saublöd-semioriginelle Beinamen auch hören, in der Regel ganz gut gehalten.

M: gibt es vielleicht schon erste hunde die internetadressen, etwa zur homepage der besitzerInnen "äusserln"?

R: Die Idee, hier Bannerwerbung und Produktplacement zu betreiben, ist eine noch nicht besetzte Nische und könnte ein interessantes Geschäftsfeld sein.

M: einen teil der "kläffenden" posterschaft würde sicherlich brennend interessieren ob und wenn ja, wie der rottbergsche hund beschriftet ist - "standardausgabe"? "stadtgeschichte"? "rottpower"?

R: Mein Hund steht für sich selbst. Er ist und bleibt unbeschriftet.

M: wie ist das mit den menschlichen kontakten beim hundeäusserln - automatisch wie die begrüssung der motorrad, 2Cv fahrer? oder nur wenn sich auch die hunde verstehen? oder unabhängig von den 4beinigen lieblingen so wie wenn sich menschen ohne hund treffen?
was läuft das so? :-)

R: Hundebetreiber, die sich beim Hundeäusserln treffen, kommunizieren in der Regel - neben der bloßen Höflichkeit, jemanden, den man alle zwei Tage sieht, auch zu grüßen - aus zwei Gründen miteinander: In engen Hundezonen, wo die Viecher einander nicht aus dem Weg gehen können, ist es mitunter praktisch, schon vor dem ersten Knurren und Haareaufstellen (der Hunde), zu klären, ob ein Köter etwa rüdenunverträglich, frisch operiert, Rassist (ja, das gibt es - meiner etwa hasst französische Bulldoggen. Keine Ahnung wieso. Aber diskutieren sie mal mit einem Hund über Vorurteile.), supergrantig oder sonstwie hinweispflichtig ist. Das erspart allen Beteiligten Stress.

Dort, wo die Hunde genug Auslauf haben, suchen sich die Tiere dann meist Artgenossen zu Spielen, die ihnen sympathisch sind. Ach ja: Hunde „spielen"nicht - das ist Menschendenke. Rennen und Balgen und all den Schmafu brauchen sie trotzde, Mit Hunden, die sie sich selbst aussuchen. Das ist gut so.

Notgedrungen marschieren/stehen/wandern die dazugehörigen Hundehalter dann in einer Parallelgruppe durch die Gegend. Auch das ist gut so: Hunde setzen ihre sozialen Prioritäten anders als Menschen. Und während man im „normalen" Alltag all zu oft kaum Kontakt zu Menschen aus ganz anderen Soziotopen hat, ist das gemeinsame den-Hunden-hinterher-trotten durchaus horizonterweiternd.

Mitunter ergeben sich Freundschaften - oft ist es aber so, dass man sich lediglich beim Hundbewegen sieht. Mittlerweile habe ich gut „Bekannte" von denen ich nichts, weder Namen, noch Berufe oder gar etwas Persönliches kenne - aber über Lebenslauf, Stammbaum oder Verdauungszustand des dazugehörigen Hundes könnte ich lückenlose Protokolle erstellen.

M: was sind die gasamtkosten für so ein hundeleben - vielleicht ists unromantisch - aber ich hab für ein ganzes katzenleben glaub ich mal 90.000 schilling errechnet (fressen, streu, tierarzt)

R: Ich habe von Katzen keine Ahnung. Aber die sind alle eher gleich groß. Unterschiede bei Futterkosten dürften also marginal sein - und eher eine Frage der Wahl der Futtermarke/Exklusivität sein. Bei Hunden ist das ein bissi komplexer. Eine Dogge verputzt am Tag verputzt, vermutlich mehr, als Paris Hiltons Köter im Monat schafft.
Aber konkret: Etwa 140 - 170 Euro/Monat für Futter, Leckerchen, Training und Spielzeug/Blödsinn ist uns die Luxustöle wert (es ginge futtertechnisch in dieser Gewichtsklasse deutlich billiger). Dazukommen Hundesteuer (70E/Jahr) und Tierarzt (100 -150 E/Jahr).

M: für mich hat hundehalten immer so was machomässiges (dem muss man ja befehle erteilen) und mir sind die hunde wohl deshalb suspekt weil die das wirklich alles machen was ihnen angeschafft wird - oder nicht?

R: Hunde funktionieren anders als Katzen. Und kein Tier funktioniert nach menschlichen Parametern. „Macho" ist keine tierische Kategorie. Für einen Hund ist Demokratie Anarchie - als Rudeltier braucht er klare Strukturen. Das hat nichts mit „Macho", Gewalt oder Brutalität dem Tier gegenüber zu tun, sondern mit Gehorsam und dem Zusammenleben einer Gruppe. Entweder ist der Hund das Alphatier - oder der Mensch weist dem Hund seinen Platz zu.

Ein Hund, der (erst recht in der Stadt) selbst entscheidet, wann er auf die Straße rennt, wen er anknurrt oder zum Spielen auffordert oder gar wer welchen Rang in seinem Rudel (also der Halterfamilie und deren Freunden) hat, ist eine Gefahr. Für sich - aber vor allem für andere Menschen.

M: gibts hunde mit "katzencharakter"?

R: Ich kenne keine. Obwohl es auch Katzen gibt, die Rudeltiere sind. Nebenbei: Verschmust sein und den ganzen Tag zu schlafen, ist kein Katzenprivileg - die meisten Hunde schlafen etwa 17 Stunden am Tag. Nichthundemenschen sehen sie aber logischerweise nur in der aktiven Phase.

M: betrachten kinderlose hundebesitzerInnen ihre lieblinge echt als kinderersatz oder wird ihnen das von missliebigen zeitgenossen nur angedichtet?

R: Das gibt es. Angeblich aber auch bei Katzen- und anderen Tierhaltern. Leute, die Tiere über Menschen stellen, haben und sind ein Problem. (Thomas Rottenberg, derStandard.at, 23.2.2009)

 

Share if you care.