Konzerthaus: Liedromantik mit Handycap

22. Februar 2009, 20:01
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Diana Damrau und Xavier de Maistre begeistern das Publikum

Wien - Nicht nur Barack Obama besitzt, wie bekannt wurde, einen Blackberry, sondern auch Diana Damrau. Oder genauer gesagt: Sie hatte einen, bis er ihr im Verlauf ihres samstägigen mit lautem Jubel aufgenommenen Liederabends im Wiener Konzerthaus aus ihrer Garderobe gestohlen wurde.

Für den Zuhörer hat sich das Ganze so abgespielt, dass sie und Xavier de Maistre, ihr Partner an der Harfe, nach der Pause nicht und nicht am Podium erschienen sind, wohl aber eine Dame, die das Publikum dahingehend informierte, dass "ein kleines Missgeschick" aufgetreten sei und sich die Fortsetzung des Abends noch etwas verzögern werde.

Als Damrau dann endlich das Podium betrat, begann sie nicht gleich, wie vorgesehen, mit Claude Debussys Nuit d'étoiles, sondern mit der in charmantest improvisierter Prosa vorgetragenen Schilderung ihres durch diesen Handy-Diebstahl verursachten persönlichen Ungemachs.

Um diesen bedauerlichen Vorfall wäre nicht so viel Aufhebens zu machen, hätten der Schreck und der spontane Temperamentausbruch die Eloquenz, mit der Diana Damrau ihren hell leuchtenden Sopran mit unfehlbarer Technik einsetzte, nach der Pause nicht zu noch größerer Intensität gesteigert.

Die sieben Lieder Debussys und jene von Richard Strauss klangen direkter und dichter empfunden als der musikalisch nicht minder bestechende erste Teil ihres Abends. Bei einigen aus Robert Schumanns Myrthen und dem Album für die Jugend ausgewählten Liedern hatte man zwar den Eindruck, als wüsste Damrau nicht so recht, wie sie deren Text beikommen sollte. Und Gabriel Faurés Lieder waren von artifizieller Künstlichkeit geprägt.

Doch der diskrete Klang der Harfe, auf der Xavier de Maistre mit einem geradezu hoffmannesken Ausmaß an romantischer Einfühlsamkeit und mit intimsten dynamischen Abtönungen die Lieder begleitete, verlieh diesem Abend von Haus aus einen Schleier verzaubernder Unwirklichkeit. (Peter Vujica / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.2.2009)

 

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