Mutmaßlicher Mörder von Umar I. gefasst

22. Februar 2009, 19:49
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Die polnische Polizei hat einen der beiden mutmaßlichen Haupttäter festgenommen - Turpal Ali J. soll "sehr bald" ausgeliefert werden

Fast sechs Wochen nach der Ermordung des tschetschenischen Flüchtlings Umar I. in Wien-Floridsdorf wurde ein Hauptverdächtiger gefasst. Der Mann wurde in einem Hotel nahe Warschau festgenommen. Die polnische Polizei teilte am Sonntag mit, dass sie den russischen Bürger tschetschenischer Ethnie, Turpal Ali J., aufgrund eines europäischen Haftbefehls verhaftet habe. Innenministeriums-Sprecher "Wir gehen davon aus, dass er einer der Haupttäter ist", sagte Innenministeriumssprecher Rudolf Gollia am Sonntag zum Standard. Ob J. selbst die tödlichen Schüsse auf I. abgefeuert hat, sei aber ungewiss. Der Fahnundungserfolg sei der Zusammenarbeit der polnischen Sicherheitsbehörde, des Bundesamtes für Verfassungsschutz und Terrorbekämpfung sowie der Staatsanwaltschaft Wien zu verdanken, sagte Gollia.

Die Verhaftung erfolgte bereits am vergangenen Freitag. Über die genauen Umstände, etwa die Uhrzeit und darüber, welcher entscheidende Hinweis zur Festnahme des Tatverdächtigen geführt habe, nannte Gollia keine Details. Nur so viel: Weitere Verhaftungen in dem Fall gab es bei der Polizeiaktion am Freitag keine. Die Fahndung nach dem zweiten Hauptverdächtigen laufe noch.

Auslieferung beantragt

Österreich hat bereits um Auslieferung des mutmaßlichen Täters ersucht. Gollia rechnete mit einer Überstellung in "vermutlich absehbarer Zeit". Der Verhaftete werde den österreichischen Behörden "sehr bald" übergeben, kündigte ein Sprecher der polnischen Polizei an. Das Innenministerium rechnet damit, dass dem Auslieferungsantrag in den nächsten Tagen bis Wochen stattgegeben werde, erläuterte Gollia.

Umar I. war am 13. Jänner nach einer Verfolgungsjagd in Wien-Floridsdorf auf offener Straße erschossen worden. Erst vergangenen Donnerstag ist an der Stelle versucht worden, den Tathergang nachzustellen. I. hatte seit dem Sommer 2008 mehrmals vergeblich um Polizeischutz gebeten. Die Familie des Opfers sprach nach der Tat von einer Verfolgung des 27-Jährigen durch Männer des Tschetschenen-Präsidenten Ramsan Kadyrow. I. war Hauptbelastungszeuge in einem Verfahren der österreichischen Justiz gegen Kadyrow. Er sollte zu gegen Kadyrow erhobenen Foltervorwürfen aussagen.

I. war in Österreich als politischer Flüchtling anerkannt. Vor seiner Ermordung hatte er sich wiederholt bei der Polizei gemeldet und um Schutz gebeten, da er sich bedroht fühlte. Innenministerin Maria Fekter (ÖVP) hatte zunächst behauptet, I. sei nicht an Personenschutz interessiert gewesen.

Die Polizei gab jedoch wenige Tage später eine "Fehleinschätzung" zu. Die Behörden hätten Schutzmaßnahmen abgelehnt, weil sie kein konkretes Bedrohungsszenario erkannt hätten.

Es steht auch die Frage im Raum, ob es zwischen den Recherchen eines Journalisten der New York Times und dem Mordanschlag einen möglichen Zusammenhang gibt - der Standard berichtete.

Nach der Tat waren bereits acht Landsmänner des Opfers wegen mutmaßlicher Beteiligung festgenommen worden, darunter auch der Tschetschene Otto K., der den Mördern als Fahrer des Fluchtwagens geholfen haben soll. Vier der ursprünglich Inhaftierten sind inzwischen wieder auf freiem Fuß. Erst am Montag der Vorwoche ist einer der Verdächtigen mangels dringenden Tatverdachts freigelassen worden. (APA, spri, DER STANDARD; Printausgabe, 23.2.2009)

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    Auf offener Straße ist Umar I. am 13. Jänner in Wien-Floridsdorf erschossen worden. Einer der beiden möglichen Todesschützen soll vergangenen Freitag in einem polnischen Hotel verhaftet worden sein.

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