Claro schwimmt mit Spülmittel gegen den Strom

22. Februar 2009, 19:03
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Oberösterreicher lassen sich von Krise nicht einschüchtern

Wien - Das Jammern über die Krise liege ihm nicht, in jedem Schaden liege ja auch ein Nutzen, sagt Josef Dygruber. Geschirr gespült werden müsse immer, in Zeiten des mageren Konsums sogar mehr denn je. Schließlich essen die Österreicher dann öfter daheim als außer Haus. Und wenn sie dabei statt zu teurem Spülmittel zu günstigeren Handelsmarken greifen, profitiere er letztlich ja auch: Er habe nämlich noch nie einen Hehl daraus gemacht, neben seinem eigenen Label für die Eigenmarken von Hofer, Rewe und Co zu fertigen.

Dygruber ist Chef von Claro und schwimmt mit seinen Spültabs von Mondsee aus gegen den Strom der Industrieriesen Unilever, Procter & Gamble, Henkel und Benckiser. Er lernte das Bankgeschäft, engagierte sich für Calgonit und wagte im Alter von 27 Jahren mit seinen eigenen Spülmitteln den Sprung ins kalte Wasser. Benckiser warf ihm vor, Calgonit zu kopieren, deckte ihn mit Klagen ein. Dygruber bewies das Gegenteil, durchtauchte drei verlustreiche Jahre und schaffte den Einstieg in den Handel.

Die Diskontkette Hofer ließ den kleinen Betrieb mit der Marke Alio wachsen. Später holte Rewe Claro-Tabs in ihre Filialen und übertrug den Oberösterreichern die Fertigung für die Billigmarke Clever. Mittlerweile zählt Dygruber quer durch den Lebensmittelhandel zehn Prozent Marktanteil. Gut 60 Prozent seines Spülmittels gehen in den Export.

Gewinne

Claro mache Gewinn, versichert er. Die Eigenkapitalquote liege bei 30 Prozent, und mit 50 Mitarbeitern setze er derzeit rund 16 Mio. Euro um. Das sei weniger als geplant, ohne Folgen könne die stärkere Sparsamkeit der Kunden ja dann doch nicht bleiben.

In die Quere kommen dem Unternehmen die steigenden Rohstoffkosten. Heiß her gehe es vor allem am Natronmarkt. Als Claro im Vorjahr die Preise anhob, drohten Handelsketten da und dort mit Auslistung. Sauberer als sauber gehe nicht. Nach der Entwicklung der wasserlöslichen Folie konzentriere er sich nun auf umweltfreundliche Rezepturen, erzählt Dygruber. Dass der Tanz auf zwei Hochzeiten, die Fertigung von Handels- und Eigenlabels, auf Dauer riskant sei, will er so nicht sehen. "Man muss es klar trennen, dann verträgt es sich."

Was die Arbeitsteilung in Haushalten betrifft, so sieht er die Geschirrspüler bald in Männerhand. Die Parallelen zur Autowäsche seien nicht zu leugnen, und das Nachfüllen von Regeneriersalzen sei seit jeher eine rein männliche Domäne. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Printausgabe, 23.2.2009)

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