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22. Februar 2009, 19:01
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Schwerwiegende Argumente für Nachhaltigkeit und gerechte Verteilung der Güter und Ressourcen

Dass der Neoliberalismus Urquell und Übel der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise sei, hält Klaus Woltron für zu banal. Aber, meint der viele Jahre in globalen Konzernen tätige Manager, erst Neoliberalismus, Globalisierung und die entfesselten Finanzmärkte hätten jene Wucht erzeugt, die eine Kurskorrektur ohne schwere Kollateralschäden extrem schwierig machten.

Dass das Geflecht aus Spekulation, Kapitalakkumulation und Verzinsungsdiktat durch globale Regeln "gerechter" gemacht werden könne, hält der passionierte Bienenzüchter jedoch für eine Illusion. Denn die Nomenklatura werde sich ihr großes Stück vom Kuchen stets schneller abschneiden als die Masse der Werktätigen. Wie diese Perestroika zwanzig Jahre nach dem Zerfall des Ostblocks beschaffen sein sollte, dafür hat auch der im "Club of Vienna" mitwirkende Woltron kein Patent. Aber er hat in dem leicht lesbaren Band schwerwiegende Argumente für Nachhaltigkeit, gerechte Verteilung der Güter und Ressourcen zusammengetragen. Die Herausforderungen seien enorm - gerade weil der Neoliberalismus wirtschaftlich so perfekt funktioniere, dass alle anderen menschlichen Bedürfnisse (von der Ernährung bis zur Demokratie) zu extrem destabilisierenden Faktoren degradiert worden seien. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Printausgabe, 23.2.2009)

  • Klaus Woltron: Die Perestroika des Kapitalismus. Residenz-Verlag 2009; Euro 17.90.
    foto: residenz-verlag

    Klaus Woltron: Die Perestroika des Kapitalismus. Residenz-Verlag 2009; Euro 17.90.

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