Mühsame Knochenarbeit

22. Februar 2009, 18:39
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Für eine effektive Regulierung der Märkte ist vor allem administrative Knochenarbeit notwendig - Von Eric Frey

Es war weder besonders überraschend noch originell, was den Spitzen der europäischen Wirtschaftsmächte bei ihrem Berliner Gipfel zum Stichwort Finanzmarktüberwachung eingefallen ist. Dass in Zukunft alle Finanzmärkte, alle -produkte und -zentren lückenlos unter die Aufsicht der Behörden fallen sollen, darüber herrscht seit Monaten Konsens - dank der neuen US-Regierung auch in Washington. Der G20-Gipfel in London im April, für den die EU-Staaten an ihrer gemeinsamen Position basteln, zeichnet sich bereits jetzt als ein wahres Fest der Harmonie ab.

Doch all diese schönen Absichten tragen weder etwas zur Überwindung der jetzigen Finanz- und Wirtschaftskrise bei, noch garantieren sie, dass sich Katastrophen wie das Subprime-Fiasko in Zukunft nicht wiederholen. Für eine effektive Regulierung der Märkte ist vor allem administrative Knochenarbeit notwendig, die nur in den Staaten selbst geleistet werden kann. Dafür müssten die meist schwachbrüstigen Aufsichtsbehörden personell und finanziell aufgestockt werden - auch in der EU.

Und wenn die Europäer wirklich eine stärkere weltweite Zusammenarbeit wünschen, dann könnten sie mit gutem Beispiel vorangehen und endlich jene EU-Bankenaufsicht schaffen, die von Experten seit Jahren gefordert wird. So mühsam es auch ist - eine neue internationale Finanzmarktarchitektur kann nicht durch hochfliegende Pläne wie die von Angela Merkel forcierte "Charta für nachhaltiges Wirtschaften", sondern nur Ziegel für Ziegel errichtet werden. (DER STANDARD, Printausgabe, 23.2.2009)

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