Paris und Pute

22. Februar 2009, 18:37
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Wozu der weiße Tiger Siegfried & Roy nicht brauchte

Langsam, ganz langsam kommt die WM in Fahrt. 10.000 Menschen haben sich am Samstag hinauf zum Jested, zum Skispringen gequält. Draußen in Vesec, beim Langlaufen, war schon zweimal wirklich Betrieb. Mehr als 17.000 haben sich am Sonntag im Schneetreiben die Doppelverfolgung der Herren gegeben.
Bei den Medaillenfeiern drängen sich maximal noch Hunderte. Kaum ist das Feuerwerk erloschen - genau zehnmal Salut für jeden Sieger -, drängt die Menge zum Bier, das hervorragende Krügerl zum Gegenwert eines Liters Diesel.

Sonst ist es ruhig in der Stadt und an ihren tiefverschneiten Rändern. Also auch draußen im Zoo, dem ältesten auf dem Gebiet der ehemaligen Tschechoslowakei.
Dort wohnt auch Paris, das Maskottchen der hiesigen Eishockeycracks. Zusammen mit Artemis und Isabella, die ihm vor einigen Jahren Achill, Afrodita und Helena gebar.

Gekommen ist er aus Cincinnati, der schöne weiße Tiger. Siegfried & Roy hat er nie kennengelernt, aber die Show liegt ihm schon im Blut. Jeden Tag, Punkt zwei, wenn man ihm beim Fressen zusehen kann, Auge in Auge, nur durch eine Glasscheibe getrennt.
Dann zeigt er die Zähne, obwohl ihm noch nie jemand seine Pute weggenommen hat. Und dann rupft er, gemach, gemach. (lü, DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 23. Februar 2009)

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