Moody's sorgt für Auf und Ab

22. Februar 2009, 18:31
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Die Ratingagenturen lösen ein Wechselbad der Gefühle aus

Wien - Die Analysen der Ratingagentur Moody's haben in den vergangenen Tagen in Österreich für ein Wechselbad der Gefühle gesorgt. Zum Beginn der Vorwoche hatte eine Moody's-Analyse auf das hohe Risiko hingewiesen, das die Osteuropa-Aktivitäten der heimischen Banken für die Republik bergen. Die Folgen waren für den Bund unmittelbar spürbar - in Form steigender Aufschläge für Staatsanleihen im Vergleich zu deutschen Papieren.

Diese sind auf den bisherigen Höchststand von 1,34 Prozentpunkte explodiert. Das bedeutet, der Schuldendienst ist für Deutschland um diesen Wert "billiger" als für Österreich. An der Börse wurden die österreichischen Banken- und Finanztitel mit massiven Kursrutschen abgestraft, das Kreditranking "Triple-A" von Österreich schien bedroht.

Stimmung schlägt um

Nach Tagen der Unsicherheit kam zum Wochenende der Stimmungsumschwung: Die höchste Bonitätsstufe von Österreich ist laut der Ratingagentur nicht in Gefahr - trotz der tiefen Verflechtung der Banken in den Ländern Osteuropas. Das hätten Stresstests der Agentur ergeben, in denen Schockwirkungen auf den Bankensektor simuliert wurden. Das hat für Beruhigung gesorgt, die Spreads sind deutlich auf 1,06 Prozent zurückgekommen - zumindest vorerst.

"Wir haben Österreich als resistent in dieser Krise eingestuft, in der wir explizit auch Risiken aus dem Bankensektor einschließen", sagte Moody's-Analyst Alexander Kockerbeck. Das von Moody's angenommene Szenario gehe von einem sehr schwierigen Umfeld und Problemen auf dem Bankensektor aus. Kockerbeck verwies in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters darauf, dass Österreich, Deutschland, Frankreich und die Schweiz als jene Länder eingestuft wurden, die am besten aufgestellt seien, um die Finanzkrise zu überstehen.

Neue Gefahr droht

Anders sieht das die Ratingagentur S&P. Österreich könnte sich - wie zuletzt Spanien - vom "Triple A" auf "AA+" verschlechtern. Die Rating-Experten haben bereits mehrere europäische Länder herabgestuft. Vor allem die Bonität Irlands und einiger osteuropäischer Länder bröckelt. Der Ukraine droht gar eine Herabstufung um bis zu zwei Stufen.

Mit dem Rating wird die Kreditwürdigkeit von Unternehmen und Staaten bewertet. Je schlechter die Bonität eines Staats beurteilt wird, umso teurer und schwieriger wird es für den Staat, sich Geld zu beschaffen. Die Refinanzierungskosten steigen, schlimmstenfalls ziehen Geldgeber ihr Kapital aus dem Land ab - was die Krise in einigen Regionen verschärft. (ag, bpf, DER STANDARD, Printausgabe, 23.2.2009)

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