Viele Orte weiter von der Außenwelt abgeschnitten

25. Februar 2009, 09:34
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Lawinenwarnstufe weiterhin hoch - Versorgungsflüge und Sprengungen sollen Situation entschärfen - Ab Freitag weitere Schneefälle - mit Video

Die Lawinengefahr ist in Österreich weiterhin groß. Sie wurde zwar auf der fünfteiligen Gefahrenskala auf Stufe vier zurückgesetzt, aber es wird mit vielen Lawinenabgängen gerechnet. Weiterhin sind hunderte Helfer in Einsatz, vor allem um Dächer von Schnee freizuschaufeln und Schnee-Lawinen zu sprengen. Viele Orte sind noch immer von der Außenwelt abgeschnitten. Hunderte Touristen sitzen fest. Sie können nur mit dem Hubschrauber aus der Luft versorgt werden. Die ersten Einsätze wurden heute Mittwoch durchgeführt.

Allein in Niederösterreich entspannte sich die Lage zwischenzeitlich.In Tirol rechnet der Lawinenwarndienst für Mittwoch mit dem Abgang "vieler" Lawinen, es sind bereits zwei Todesopfer zu beklagen.  (Näheres zur Situation in Tirol) Viele höher gelegene Straßenverbindungen sind weiter gesperrt. Keine Entspannung erwartet auch der Lawinenwarndienst des Landes Oberösterreich. In Vorarlberg könnte die Lawinengefahr Tagesverlauf wegen der wärmeren Temperaturen weiter ansteigen. Lawinenauslösungen seien bereits bei geringer Zusatzbelastung möglich, hieß es von der Landeswarnzentrale. Die Arlberg-Straße L197 zwischen St. Anton am Arlberg und St. Christoph ist wieder befahrbar.

Wieder Schnee für Freitag angekündigt

 Ab Freitag ist mit weiteren Schneefällen zu rechnen, bis zum Wochenende sollen weitere 50 Zentimeter Schnee in den Nordstaulagen fallen.

Niederösterreich: Leichte Entspannung

Insgesamt fast 1.000 Feuerwehrleute sind am Dienstag bis in die späten Abendstunden im Einsatz gestanden. um im Süden und Südwesten Niederösterreichs der Schneemassen Herr zu werden. Seit heute Mittwoch gib es keine Niederschläge mehr. Die Situation habe sich wettermäßig entspannt, sagte der Scheibbser Bezirksfeuerwehrkommandant Johann Mittergeber. Trotzdem "wird weitergeschaufelt", rund 250 Mann standen im Einsatz. In Lunz am See waren die Arbeiten fast beendet, die Kräfte konzentrierten sich auf gefährdete Objekte in Göstling, Lackenhof und Puchenstuben.

Notwendig waren Feuerwehreinsätze in den Bezirken Amstetten, Scheibbs, St. Pölten, Lilienfeld, Neunkirchen und Wiener Neustadt. In den Gemeinden Lunz am See, Göstling an der Ybbs, Annaberg, Puchenstuben und Lackenhof müssen weiterhin zahlreiche Dächer von der Schneelast befreit werden.

Schulen teilweise noch geschlossen

Während die Kinder in Lunz wieder in die Schule können, blieben die Volksschule in Puchenstuben sowie Volks- und Hauptschule Göstling weiter gesperrt. Die Lawinengefahr in der Region ist nach wie vor groß, die Warnstufe ist aber auf vier zurückgestuft worden.

 

Oberösterreich: Weiterhin große Lawinen-Gefahr

Auch in Oberösterreich herrscht weiter die höchste Lawinenwarnstufe fünf. Nicht nur zahlreiche Passstraßen sind gesperrt, auch die Zufahrt zum Skigebiet Wurzeralm ist nicht möglich. Die Standseilbahn steht still. Den Schülern von Windischgarsten (Bezirk Kirchdorf) beschert das Wetter zwei zusätzliche Ferientage: Zumindest am Dienstag und am Mittwoch wurde unterrichtsfrei gegeben. In vielen Landesteilen mussten weiter Dächer von den Schneemassen befreit werden. Landeshauptmann-Stellvertreter Franz Hiesl teilte mit, dass die Gemeinden Experten der Bezirksbauämter anfordern können, um die Lage zu beurteilen.

Steiermark: Orte werden aus der Luft versorgt

Im von der Außenwelt abgeschnittenen Radmer im obersteirischen Bezirk Leoben ist am Dienstag ein Dialysepatient von einem Hubschrauber des Innenministeriums ausgeflogen worden. Der Patient aus Radmer wurde gegen Mittag im Schneetreiben ausgeflogen. "Das ist dem Mut des Piloten zu verdanken", so Bürgermeister Siegfried Gallhofer. Laut Heeressprecher Oberst Gerhard Schweiger könnten am Mittwoch die Planneralm im Bezirk Liezen und Radmer aus der Luft versorgt werden.

Heute am Mittwoch finden die ersten Versorgungsflüge für Bewohner abgeschnittener Ortschaften und Erkundungsmissionen statt, so ein Heeressprecher. Das Bundesheer steht in der Steiermark mit Lawineneinsatzzügen und Helikoptern in Bereitschaft.

Straßensperren wegen Lawinenabgängen

Wegen der verschärften Lawinensituation wurde in den Salzburger Nordalpen die höchste Warnstufe fünf  ausgerufen. Gleich zwei Staublawinen haben am Dienstag die Hochkönig-Straße B164 verschüttet. Das erste Schneebrett war in der Früh zwischen Dienten und dem Filzensattel hinter einem Autofahrer über die Straße gedonnert. Gegen Mittag löste sich zwischen Bischofshofen und Mühlbach eine weitere Lawine. Verletzt wurde in beiden Fällen niemand. Außerdem mussten wegen der hohen Lawinengefahr mehrere Straßen gesperrt werden.

1,5 Meter Neuschnee in Salzburg

In den Salzburger Nordalpen hat es in den vergangenen Tagen 1,5 Meter Neuschnee gegeben - eine Niederschlagsmenge, die laut Lawinenwarnzentrale nur alle sieben Jahre auftritt. Die Gefahr von Selbstauslösungen war groß. In den Salzburger Tauern herrschte weiterhin Warnstufe 4, in den Nockbergen Warnstufe 3. Die Homepage der Lawinenwarnzentrale brach wegen des starken Andrangs zeitweise zusammen.

Tirol: Experten rechnen mit Abgang spontaner Lawinen

In weiten Teilen Nordtirols ist die Lawinengefahr am Dienstagh als "groß" hinaufgesetzt worden. Auf der fünfteiligen Skala wurde der Wert "4" erreicht. Für Mittwoch wird ein Anhalten der Lawinensituation erwartet. Die Experten rechneten mit dem "vermehrten Abgang spontaner Lawinen". Für den Wintersportler herrschten in Nordtirol "sehr ungünstige Verhältnisse". Unerfahrene Personen sollten unbedingt auf den gesicherten Pisten bleiben, hieß es. Zwei seit Dienstag vermisste Tourengeher konnten heute nur noch tot geborgen werden.

Wegen akuter Lawinengefahr musste auch eine wichtige Straßenverbindung zwischen Tirol und Bayern erneut gesperrt werden. Betroffen war die Bundesstraße "B 177", die Seefelder Straße im Bereich des ehemaligen Grenzüberganges Scharnitz/Mittenwald. Die Sperre betraf auch die Bahnstrecke zwischen Scharnitz und Mittenwald. Gesperrt blieb außerdem die Hochfügenerstraße im Zillertal (Bezirk Schwaz) wegen akuter Lawinengefahr. In Hochfügen befanden sich laut Polizei etwa 700 Urlaubsgäste.

Mehrere Lawinenabgänge in Vorarlberg

Bei dem Lawinenabgang im Bereich des Kriegerhorns in Lech am Arlberg wurden laut Polizeiangaben offenbar doch zwei Wintersportler mitgerissen. Ein Snowboarder aus Graz, der die Lawine im freien Skiraum ausgelöst hatte, wurde unter den Schneemassen begraben, konnte sich aber sofort selbst befreien. Eine Skipiste wurde auf einer Länge von rund zehn Metern verlegt. Dabei wurde ein unbekannter Skifahrer von dem Rutsch erfasst und bis zur Brust verschüttet. Ein anderer Wintersportler grub ihn aus dem Schnee aus. Beide blieben unverletzt. Eine weitere Sicherheitssuche der Lecher Einsatzkräfte konnte gegen 15.00 Uhr abgebrochen werden. (APA)

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    Ein Hubschrauber des Innenministeriums im Einsatz.

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    Eine Anrainerin spaziert durch das tiefverschneite Lackenhof.

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