ZDF wehrt sich gegen Abberufung von Chefredakteur Brender

22. Februar 2009, 18:13
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Intendant für Vertragsverlängerung - Unionspolitiker dagegen - Kleber sieht "verheerendes Signal"

Mit einem offenen Brief haben sich prominente ZDF-Journalisten gegen eine Abberufung von Chefredakteur Nikolaus Brender gestellt. In dem Schreiben an Intendant Markus Schächter stärken sie dem Senderchef den Rücken, der Brenders Vertrag gegen den Widerstand des Verwaltungsrates verlängern möchte.

Gegen Brenders Vertrag, der bis April 2010 läuft, haben sich nach Informationen der Nachrichtenagentur AP CDU/CSU-Politiker und unionsnahe Mitglieder ausgesprochen, die im Verwaltungsrat die Mehrheit haben. Der Chefredakteur, der seit neun Jahren im Amt ist, gehört keiner Partei an. Er bezeichnet sich als politisch unabhängig, sein politischer Standort wird jedoch als eher links eingeschätzt.

Offener Brief

Den offenen Brief von Freitag unterschrieben 14 bekannte ZDF-Journalisten, unter anderen die Moderatoren Peter Frey, Maybrit Illner, Claus Kleber, Guido Knopp und Marietta Slomka. Der Widerstand im Verwaltungsrat zeuge von einer gefährlichen Einmischung der Parteien, heißt es in dem Schreiben. "Gerade im Jahr der Bundestagswahl ist Distanz zu den Parteien unverzichtbar, um die Glaubwürdigkeit der journalistischen Leistungen im ZDF nicht in Verruf zu bringen und unsere Unabhängigkeit zu bewahren."

Der Verwaltungsrat kommt am 27. März in Mainz zusammen. Der Chefredakteur hat das Recht, ein Jahr vor Ablauf des Vertrags zu erfahren, ob dieser verlängert wird. Gegen eine Verlängerung hat sich dem Vernehmen nach der stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzende, der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU), ausgesprochen. Vorsitzender des ZDF-Verwaltungsrats ist der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD), der Brender unterstützt.

Nach dem üblichen Parteienproporz bei den Führungsposten der öffentlich-rechtlichen Sender herrschte bisher Einigkeit darüber, dass der ZDF-Chefredakteur dem SPD-Spektrum zugerechnet wird und der Stellvertreter der Union. (APA/dpa)

 

 

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