Neuer Lack macht unerwünschte Graffiti einfach abwischbar

22. Februar 2009, 18:25
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Mauer atmet unter ihrer Schutzschicht weiter - Farbe lässt sich dennoch leicht entfernen

Bilbao - Die Lebensdauer von Graffiti auf historischen Denkmälern könnte sich in Zukunft drastisch verkürzen: In einem von der EU geförderten Projekt wurde ein Lack aus großen Silikonmolekülen entwickelt, der Gemäuer besser schützen soll. "Er wird als Spray oder mit einem Pinsel drei bis 20 Mikrometer dick aufgetragen, je nach Art des Mauerwerks", sagt Oihana Garcia, Projektleiterin bei der Forschungseinrichtung Labein Tecnalia. Hinterlässt ein Sprayer ein Werk an einer so behandelten Mauer, wird die Reinigung für die Gebäudepfleger zum Kinderspiel: "In diesem Fall trägt man einige Minuten ein Lösemittel-Gel auf und kann das Graffiti mit Wasser oder einem Tuch leicht entfernen", so die spanische Forscherin.

Ziel der Anti-Graffiti-Erfindung ist es, historische Bauwerke des Weltkulturerbes zu schützen - nicht nur aus oberflächlich-optischen Gründen: Denn die herkömmliche Entfernung der bis in die Poren vordringenden Farben führt oft zu Beschädigungen der Bausubstanz. Der Silikonlack bildet hingegen eine mit freiem Auge nicht sichtbare, wasserabweisende Schutzschicht über der Mauer. "Das Produkt hält flüssiges Wasser ab, lässt jedoch Wasserdampf passieren und erlaubt der Mauer zu atmen", so Garcia. Die chemische Zusammensetzung der Lösung sei gut umweltverträglich, zudem könne sie, falls notwendig, wieder entfernt werden.

Die Formel schützt laut Aussagen der Forscher behandelte Gebäude auch bis zu bestimmten Grad vor Auswirkungen des UV-Lichts, vor Verfall durch Wetter oder vor der altersbedingten Kondensation. Getestet wurde die Anti-Graffiti-Formel bisher auf Mauerwerken unterschiedlicher Porösität: Auf Treventino-Marmor in Italien, auf Silikatgestein in Spanien, auf Ziegelmauern in Deutschland und in Slowenien sowie auf Kalkstein in Belgien. "Weitere Tests stehen dem Prototyp noch bevor, dann steht einer Kommerzialisierung nichts mehr im Weg", so Garcia. (pte/red)

 

 

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