Zwei Schritte zurück

22. Februar 2009, 17:40
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Auch in der EU weiß man, dass Bosnien in seiner jetzigen Konstruktion dysfunktional ist - Von Adelheid Wölfl

Was bleibt uns anderes übrig, als uns zu verständigen - Krieg, oder was? Der Chef der bosniakischen Partei der Demokratischen Aktion (SDA), Sulejman Tihic, war furchtbar frustriert, als der Premier der „Republika Srpska", Milorad Dodik, die Gespräche zur Verfassungsreform am Wochenende platzen ließ und nach einem Bier in Mostar einfach aufstand und ging. Nicht nur Tihic setzt sich für eine neue Verfassung ein, damit Bosnien seinem Nachkriegsprovisorium entkommt, einem absurden Staat mit viereinhalb Millionen Einwohnern, aber 13 Bildungsministerien. Auch in der EU weiß man, dass Bosnien in seiner jetzigen Konstruktion dysfunktional ist.

Doch Dodik wäre in einem vereinten Bosnien, in dem die Zentrale in Sarajewo gestärkt würde, kein großer Zampano mehr. Zurzeit kann er diese Rolle in Banja Luka aber gut ausfüllen. Und so geht das traurige Spiel weiter. Nach jedem Schritt in Richtung einer Verfassungsreform, die jedes Mal misslingt, fällt das Land wieder zwei Schritte zurück. Durch das dauernde Scheitern schwindet der Glauben an Bosnien.

Viele bosnische Serben schauen ohnehin eher nach Belgrad als nach Sarajewo, viele bosnische Kroaten warten darauf, dass Kroatien der EU beitritt - sie sind ja Doppelstaatsbürger. Nur die Bosniaken wünschen sich einen starken internationalen Beauftragten, am besten einen Briten, der mithilfe der USA endlich einen Gesamtstaat durchsetzt. Egal, wer den Job bekommt, die einzig relevante Frage ist, was die USA und die EU eigentlich wollen. Darüber aber besteht so wenig Klarheit und Konsens wie in Bosnien selbst. (Adelheid Wölfl, DER STANDARD, Printausgabe, 23.2.2009)

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