Jungwirth verlässt ÖOC

22. Februar 2009, 17:27
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Der Generalsekretär des Österreichischen Olympischen Komitees tritt Ende Februar zurück. Möglicher Grund "Druck über die Medien" - Sportdirektor Bogner übernimmt die Geschäfte

Wien - Nach mehr als 26 Jahren möchte Heinz Jungwirth nicht mehr Generalsekretär des Österreichisch Olympischen Komitees (ÖOC) sein. Bei einem Zusammentreffen des ÖOC-Vorstandes wurde am Sonntagnachmittag beschlossen, dass der Dienstvertrag mit Jungwirth auf seinen Wunsch hin "mit 28. Februar 2009 einvernehmlich gelöst wird", wie ÖOC-Präsident Leo Wallner in einer Aussendung mitteilte.

Bis auf weiteres werde ÖOC-Sportdirektor Matthias Bogner mit der Führung der Geschäfte beauftragt und als Nachfolger von Jungwirth, der sein Amt am 22. November 1982 angetreten hatte, fungieren. "Für die Schaffung neuer Strukturen und den zu überarbeitenden Satzungen samt Geschäftsordnung wird eine Arbeitsgruppe unter dem Vorsitz von ÖOC-Vorstandsmitglied Herbert Hübel eingesetzt", kündigte Wallner an.

"Heinz Jungwirth ist auf eigenen Wunsch ausgeschieden. Ich habe lange mit ihm geredet und hatte das Gefühl, dass er nicht mehr möchte", erklärte Wallner im Gespräch mit der APA und nannte den "Druck über die Medien" als Hauptgrund für Jungwirths Entscheidung, seinen Dienstvertrag mit dem ÖOC aufzulösen. "Diesen Druck hat er sich nicht verdient, wie er sagt. Ich hoffe, dass er das berechtigterweise sagt", betonte Wallner, der erst am 13. Februar für vier weitere Jahre in seinem Amt bestätigt wurde.

Jungwirth selbst war vorerst für keine Stellungnahme erreichbar. Der 57-jährige Wiener, der früher in einem Gymnasium in der Bundeshauptstadt Geschichte und Leibeserziehung unterrichtet hatte, war seit 27 Jahren in der Olympischen Bewegung in Österreich tätig. Zuletzt war er im Zusammenhang wegen der angeblichen Ungereimtheiten bei Geldflüssen zwischen dem Olympia-Förderverein und dem Salzburger Olympia-Bewerbungs-GmbH in die Kritik geraten.

So hatte der Rechnungshof beanstandet, dass der Förderverein 150.000 Euro nicht mehr an die Olympia-Bewerbungs-GmbH zurückbezahlt habe. Und zuletzt hatte auch Verteidigungs- und Sportminister Norbert Darabos in Interviews mit heimischen Medien massive Kritik an Jungwirth geübt. "Ich habe vor allem zum Generalsekretär kein Vertrauen", hatte der Minister etwa in einem Interview mit der "Tiroler Tageszeitung" am Mittwoch gemeint.

Zwei externe Wirtschaftsprüfungen des ÖOC haben jedoch ergeben, dass keine offene Schuld des Olympia-Fördervereins gegenüber der Salzburg 2014 GmbH bestehe. Derzeit ist noch eine dritte unabhängige Prüfung im Gange. Dazu hat ÖOC-Boss Wallner, der auch dem Förderverein vorgestanden ist, stets betont, dass es nie ein Darlehen von der Olympia-Bewerbungs-GmbH gegeben habe.

Die Staatsanwaltschaft Salzburg ermittelt gegen die früheren Geschäftsführer der "Salzburger Winterspiele GmbH" wegen des Verdachts der Untreue, wie am Donnerstag der APA bestätigt wurde. Gernot Leitner und Rudolf Höller, die beiden Nachfolger des 2007 zurückgetretenen Geschäftsführers der Winterspiele GmbH, Fedor Radmann, haben noch am selben Tag betont, dass sie diesen Ermittlungen "gelassen" entgegensehen. "Es hat keine Ungereimtheiten gegeben, alles ist belegbar. Ich habe da ruhiges Blut", erklärte Leitner im Gespräch mit der APA.

Sportminister Darabos glücklich über Entscheidung

Sportminister Norbert Darabos begrüßte den Rücktritt von Jungwirth. "Ich bin mit dieser Entscheidung sehr zufrieden", erklärte Darabos in einem Interview mit dem ORF. "Die Entscheidung ist richtig, denn es hat in den vergangenen Monaten zu viele Vorkommnisse gegeben, die auf die olympische Bewegung in Österreich Schatten geworfen haben." Gleichzeitig erneuerte der SPÖ-Politiker seinen Ruf nach einer Strukturänderung im ÖOC.

Weiters gab Darabos bekannt, dass das ÖOC eine "sehr mutige Entscheidung getroffen" habe. "Das ÖOC hat mich beauftragt, den Wirtschaftsprüfer zu benennen, der die vergangenen vier Geschäftsjahre des ÖOC prüfen soll", sagte der Verteidigungs- und Sportminister.

Schröcksnadel hofft auf Umdenken des ÖOC

Die Entscheidung von Heinz Jungwirth, als Generalsekretär des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC) mit Ende Februar auszuscheiden, könnte auch eine Lösung im Streit zwischen dem ÖOC und dem Österreichischen Skiverband (ÖSV) in Sachen Biathlon bringen. "Ich hoffe, dass mit dem neuen Generalsekretär ein Umdenken einsetzt. Wenn dann jemand dort sitzt, der das korrekt sieht", betonte ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel am Sonntagabend im Gespräch mit der APA.

Das ÖOC hatte nach dem Doping-Skandal von Turin 2006 um Österreichs Langläufer und Biathleten das gesamte damalige Betreuerteam der Skijäger - Direktor Markus Gandler, Sportkoordinator Walter Gapp, die Trainer Walter Hörl und Alfred Eder sowie Masseur Stefan Rohrmoser - für "nicht mehr akkreditierungswürdig" erklärt. Als Grund wurde angegeben, das Vertrauen in die Verhinderung von Dopingvergehen sei nicht gegeben.

Das hieße nach derzeitigem Stand also, dass die Biathleten nur mit Trainer Reinhard Gösweiner zu den Olympischen Winterspielen im kommenden Jahr nach Vancouver reisen könnten. Aus diesem Grund hatte Schröcksnadel zuletzt mehrfach angekündigt, keine Biathleten 2010 nach Kanada entsenden zu wollen, falls das ÖOC diese Entscheidung nicht rasch revidieren sollte. "Denn die Biathlon-Betreuer haben ja nichts gemacht", erklärte Schröcksnadel erneut.

Die Generalsekretäre des 
Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC):


Hans Pfeiffer 1900 - 1935
Franz Pötsch 1935 - 1938
Edgar Fried 1946 - 1972
Peter Pilsl 1972 - 1982
Heinz Jungwirth 1982 - 2009
Matthias Bogner interimistisch ab 1.3.2009
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Generalsekretär Heinz Jungwirth hat mit Ende Februar genug vom ÖOC.

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