Finanzkrise bringt Hoffnung in den Todestrakten

22. Februar 2009, 17:10
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US-Bundesstaaten, in denen es nur wenige Hinrichtungen gibt, überdenken Todesstrafe aus Kostengründen

Washington - So schwer die tiefste Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten auch auf den USA lastet, in den Todestrakten der Gefängnisse gibt sie Anlass zur Hoffnung. Ausgerechnet das Konjunkturdesaster treibt in mehreren US-Staaten die Diskussion über eine Abschaffung der Todesstrafe voran. Denn Hinrichtungen kommen die öffentlichen Haushalte letztlich teurer zu stehen als die lebenslange Inhaftierung von Verurteilten.

Ein Beispiel ist der Bundesstaat Kansas, wo derzeit neun Verurteilte auf die Hinrichtung warten. Das Anti-Todesstrafen-Institut Death Penalty Information Center in Washington rechnet vor, dass dem US-Staat für jeden zum Tode Verurteilten Kosten von 1,26 Millionen Dollar (eine Million Euro) entstehen. Lebenslange Haft schlägt hingegen mit 740.000 Dollar zu Buche. Carolyn McGinn, republikanische Abgeordnete im Senat von Kansas, hat deshalb einen Gesetzentwurf zur Abschaffung vorgelegt.

Was die Anwendung der Todesstrafe so teuer macht, sind die langjährigen gerichtlichen Verfahren: Berufungen, Hinrichtungsaufschübe und immer neue Anhörungen dauern zehn oder mehr Jahre, ehe der Rechtsweg ausgeschöpft ist. Viele Todeskandidaten werden von Pflichtverteidigern vertreten, die der Staat bezahlt. Der Todesstrafengegner Steve Hall, Präsident der US-Aktivistengruppe Standdown, sieht neue Bewegung in der Diskussion. „Die US-Staaten bewerten die Todesstrafe neu, wir sehen einen ungewöhnlichen Boom an gesetzgeberischen Aktivitäten." Die Haushaltskrise vieler Staaten spiele dabei definitiv eine Rolle.

1976 wurde die Todesstrafe in den USA wieder zugelassen, sie gilt derzeit in 36 von 50 US-Staaten. In Umfragen liegt die Zustimmung zur Todesstrafe konstant bei zwei Dritteln der Befragten.
Initiativen zur Abschaffung gibt es inzwischen in Staaten wie New Mexico, Montana und Maryland, wo nur wenige Gefangene im Todestrakt sitzen. In Maryland könnte die Todesstrafe in den kommenden Monaten abgeschafft werden. Seit 1976 wurden dort fünf Menschen hingerichtet. Der öffentliche Haushalt wurde dadurch mit insgesamt 37,2 Millionen Dollar belastet, wie das Death Penalty Information Center errechnet hat. (AFP, Lucile Malandain, DER STANDARD, Printausgabe, 23.2.2009)

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    Gegner der Todesstrafe hoffen, dass deren Abschaffung durch die Wirtschaftskrise beschleunigt wird.

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