Seit Jahren keine Wertpapiere gekauft

22. Februar 2009, 19:19
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Anklagevertretung und Anwalt des Mega-Betrügers könnten sich auf Vergleich einigen

New York - Der mutmaßliche Mega-Betrüger Bernard Madoff hat vom Geld seiner Anleger schon jahrelang laut offiziellen Angaben keine Wertpapiere mehr gekauft. In Madoffs Firmenunterlagen habe sich kein Hinweis auf ein Wertpapiergeschäft während der vergangenen 13 Jahre gefunden, sagte der mit der Abwicklung der Gesellschaft beauftragte Treuhänder laut US-Medienberichten.

Entgegen bisherigen Behauptungen Madoffs und seiner Mitarbeiter hätten der Handelsbereich und der Investmentarm der Firma auch keineswegs völlig unabhängig voneinander gearbeitet, so Treuhänder Irving Picard am Freitag bei einem ersten öffentlichen Treffen mit den Geschädigten in New York. Madoff hatte betont, ganz allein und ohne Wissen etwa seiner mit im Unternehmen beschäftigten zwei Söhne gehandelt zu haben.

Fünfzig Milliarden Dollar

Der im Dezember festgenommene Madoff hatte den Schaden durch sein jahrzehntelanges Schneeball-System auf rund 50 Milliarden Dollar beziffert. Die versprochenen Renditen gab es nicht, Auszahlungen machte Madoff den Behörden zufolge mit dem Geld neuer Investoren. Den Anlegern hatte er stets Aufstellungen vermeintlicher Wertpapierkäufe gegeben. Im wohl größten Betrugsfall der Finanzgeschichte steht der 70-Jährige gegen eine Millionen-Kaution in seinem Nobel-Appartement in New York unter Hausarrest.

Bisher habe er Forderungen von 2350 Anlegern erhalten, so der Treuhänder. Im Betrugsfall stehen den Geschädigten über eine Art Anlegerversicherung pro Kopf bis zu 500.000 Dollar zu. Mehr Geld können sie nur erhoffen, sofern der Treuhänder Vermögen in Madoffs Firma sicherstellen kann.

Die Frist zur Anklageerhebung gegen den Geschäftsmann läuft nach mehrmaliger Verlängerung derzeit bis Mitte März. Beobachter halten inzwischen auch für möglich, dass sich die Staatsanwaltschaft mit Madoffs Anwalt auf eine Art Vergleich oder Prozessabsprachen einigt. Zivilrechtliche Klagen würden davon zunächst unberührt bleiben. (APA/dpa)

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