Tele2 baut jeden zehnten Arbeitsplatz ab

22. Februar 2009, 14:45
17 Postings

40 der 400 Arbeitnehmer müssen gehen - Fest­netz­branche kämpft mit Kundenschwund

Tele 2 Österreich baut jeden zehnten Mitarbeiter ab. Beim Arbeitsmarktservice wurden 46 der 400 Mitarbeiter zur Kündigung angemeldet, wobei es sich bei 6 Beschäftigten um Änderungskündigungen handelt. Begründet wird der Jobabbau mit der Umstrukturierung hin auf einen Geschäftskunden-Fokus. Wobei die beiden anderen Säulen, das Privatkunden- und Leitungsgeschäft weiterhin Teil des Unternehmens bleibe. Vom Personalabbau betroffen seien alle Bereiche, das Kerngeschäft bleibe aber unbeeinflusst, so Tele2-Sprecher Jörg Wollmann zur APA. Derzeit werde an einem Sozialplan für die Beschäftigten gearbeitet.

Kundenschwund

Im Gegensatz zu den wichtigsten Mitbewerbern Telekom Austria und UPC gab es bei Tele2 im Vorjahr keinen Jobabbau. Dafür aber, wie auch bei der Konkurrenz, einen kräftigen Schwund bei den Festnetzkunden. Dass 170.000 Kunden verloren gingen, sei primär auf den Handyboom zurückzuführen, wodurch viele, die das Festnetz ohnehin kaum mehr nutzten, diesen Anschluss abgemeldet hätten, hieß es kürzlich bei der Präsentation der Tele2-Bilanz 2008. Dazu käme die Konkurrenz durch die Kombi-Pakete des Marktführers Telekom Austria, die von den Mitbewerbern immer als marktverzerrend kritisiert wurden.

Pionier

Tele2 Österreich ist 1999 mit 25 Mitarbeitern als einer der Pioniere der Telekomliberalisierung gestartet und hat schnell der Telekom Austria das Fürchten gelernt. Chef Norbert Wieser punktete mit der Kampagne "Einfach billig telefonieren" und einer schlanken Konzernstruktur. Im November 2007 verließ Wieser überraschend den Konzern, es übernahm Robert Hackl, der ebenfalls überraschend im Oktober 2008 ausschied. Er wollte einen Management-Buyout durchführen, musste diesen aber im Jänner 2009 abblasen. Daraufhin hieß es vom vorübergehenden Chef Henrik Ringmar, man wolle nun einen neuen Chef suchen. Vorher werde es keinen über das normale Geschäft hinausgehenden Personalabbau geben.

Harter Kampf

Die Festnetzbranche kämpft seit längerem mit wirtschaftlichen Problemen. Die teilstaatliche und börsenotierte Telekom Austria hat nach einigen Streitigkeiten mit dem Betriebsrat Ende 2008 den Weihnachtsfrieden ausgerufen. Nach der Aufsichtsratssitzung am 16. Dezember teilte der Vorstand mit, dass "nach heutigem Planungsstand bis Ende 2010 kein weiterer Mitarbeiterabbau stattfindet".

In den Jahren 2011 und 2012 werde es aber weiteren Handlungsbedarf geben, dieser soll allerdings mit dem Betriebsrat abgestimmt werden. Ursprünglich sollten 2.400 Mitarbeiter bis zum Jahr 2012 abgebaut werden. An dem Abbau der sogenannten 1. Tranche hatte sich aber nichts geändert. Diese betraf 1.250 Beschäftige, sie mussten bis Ende 2009 ihren Arbeitsplatz räumen.

UPC

UPC, dessen Mutterkonzern in den Niederlande sitzt, hat einen Mitarbeiterstand von 1.200. Im Vorjahr wurden rund 100 Beschäftigte abgebaut, für heuer ist aus derzeitiger Sicht nichts geplant, hieß es auf APA-Anfrage. Noch im Dezember des Vorjahres gab es eine Betriebsversammlung bei UPC, man fürchtete dass es durch die Turbulenzen beim Mutterkonzern Liberty Global zu einem weiteren Jobabbau kommen könnte. Basierend auf den operativen Kennzahlen per 30. September 2008 versorgt UPC in Österreich 750.000 Kunden.

Ergebnis

Tele2 Österreich, eine Tochter der schwedischen Tele2, konnte im Vorjahr das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von Null auf 7,7 Mio. Euro steigern, während der Umsatz um 10 Prozent auf 241 Mio. Euro zurück ging. Die Kundenzahl reduzierte sich innerhalb eines Jahres von 900.000 auf 600.000. Allerdings sind in dieser Zahl auch jene 130.000 Nutzer der Tele2-Handysparte eingerechnet, die im Vorjahr an die Telekom Austria abgegeben wurde. (APA)

  • Tele2 kämpft mit Festnetz-Kundenschwund.
    epa/fredrik sandberg

    Tele2 kämpft mit Festnetz-Kundenschwund.

Share if you care.