Dörfler und Rohr touren durch das Land

22. Februar 2009, 11:07
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BZÖ-Spitzenkandidat erzählt auch weiterhin Witze und attackiert Konkurrenten - SPÖ-Frontmann lässt die anderen Parteien links liegen

Klagenfurt - BZÖ-Spitzenkandidat Landeshauptmann Gerhard Dörfler und sein SPÖ-Herausforderer, LHStv. Reinhart Rohr tourten in den letzten Wochen ständig durch das Land, um Wähler für den 1. März zu gewinnen. Die APA begleitete beide, auffälligster Unterschied dabei: Während Dörfler seinen Konkurrenten frontal attackiert, lässt Rohr sowohl Dörfler als auch die anderen Parteien völlig links liegen.

Auf einer Wahlkampftour im Lavanttal (Bezirk Wolfsberg): Dörfler hat bereits Termine in St. Andrä und in Reichenfels absolviert, jeweils in einem durchaus gut besuchten Gasthaus. Der nächste Stopp ist Bad St. Leonhard. Die Versammlung, die für den Hauptplatz angekündigt war, wird - wohl wegen der Kälte - ins Gasthaus verlegt, rund 100 Interessierte haben sich eingefunden. Dörfler begrüßt jeden Besucher mit Handschlag, junge Wahlkampfhelferinnen in orangen BZÖ-Jacken verteilen Feuerzeuge, Kugelschreiber und Karten mit den Konterfeis von Dörfler und der lokalen Kandidaten.

"Roter Rechnungshof"

Der Landeshauptmann verteidigt die - vor einigen Tagen vom Rechnungshof arg zerzauste - Planung für die Ortsumfahrung von Bad St. Leonhard. Der "rote Rechnungshof" wolle sein wichtiges Projekt madig machen, dabei würde es sowohl den Bürgern nützen als auch Arbeitsplätze sichern. Überhaupt, redet sich Dörfler in Fahrt, würden "die Roten" alles verhindern wollen und alles schlecht machen, ebenso wie die Grünen, die überhaupt die Neinsager seien. Schelte vom Regierungschef setzt es für die Medien, die nichts Besseres zu tun hätten, als sich darüber aufzuregen, dass er einen Witz erzählt habe. "Es ist ja Fasching, da darf man doch lustig sein", meint er, und die meisten der Zuhörer stimmen ihm zu. Auch Jörg Haider wird zum Abschluss bemüht, der, so hofft Dörfler, am 1. März des Abends "von oben herunterschauen und zufrieden sein wird".

Eine Stunde später in Frantschach-St. Gertraud ist das Gasthaus halb leer. Gerade einmal 30 Personen sind gekommen, um den Landeshauptmann live zu erleben. Auch hier wird das Thema der Umfahrung Bad St. Leonhard ausgebreitet. Auch hier kriegt Konkurrent Rohr verbal eins drübergezogen. So spöttelt Dörfler über das jüngste Plakat der SPÖ, das Rohr an einem Schreibtisch zeigt: "Der sieht ja aus wie ein Prokurist der russischen Gazprom, der gerade das Gas abdreht." Werde Rohr Landeshauptmann, würde sich kein Mensch mehr in die Landesregierung trauen, prophezeit der Amtsinhaber.

Im nächsten Gasthaus, diesmal in St. Paul, darf dieser Angriff natürlich nicht fehlen. Dort wird die Umfahrung allerdings durch den Koralmtunnel ersetzt, den "Rot und Schwarz" verhindern hätten wollen. Zum Abschluss gibt's Gratis-Leberkäse für die Gäste - und einen - mäßig originellen - Steirerwitz des Landeshauptmannes. Den wird er an diesem Tag wohl noch ein paar Mal erzählen.

Das Witzereißen lässt Rohr lieber sein. Er setzt mehr auf Betriebsbesuche und Veranstaltungen, wo sich ohnehin viele Menschen aufhalten. In einem chemischen Betrieb in Arnoldstein bei Villach geht es nach einem Gespräch mit der Firmenchefin durch die Werks- und Lagerhallen. Jeder einzelne Mitarbeiter wird angesteuert, begrüßt und um Unterstützung gebeten. "Das Wichtigste ist ja wohl, dass man in der jetzigen Situation einen Job hat", meint Rohr immer wieder und erntet naturgemäß Zustimmung. Wahlhelfer mit den obligaten Feuerzeugen, Kugelschreibern und Kärtchen dürfen natürlich auch hier nicht fehlen. Der Betrieb hat insgesamt 250 Mitarbeiter, etwa ein Drittel davon wird von Rohr angesprochen. Dann folgt eine kurze Rede bei den Betriebsräten des Unternehmens. Rohr skizziert, wie er sich die Politik vorstellt, zentrale Themen sind Jobs und soziale Sicherheit. Dörfler erwähnt er nicht.

In der nächsten Firma, ein Verpackungsbetrieb in Feldkirchen, läuft der Besuch nach dem gleichen Schema ab, die Arbeiter sind freundlich, die kleinen Geschenke werden gerne angenommen. Auch wenn es schon pressiert, weil der Zeitplan eingehalten werden soll, ein paar Worte zu wechseln lässt er sich bei keinem Mitarbeiter nehmen.

Anschließend geht es weiter auf die Gerlitzen bei Villach. Dort veranstaltet ein Radiosender einen Skitag, Pisten, Lifte und Skihütten sind trotz der Kälte gut besucht. Rohr schüttelt Hände. Als ein junger Mann ihm versichert, jedenfalls die SPÖ zu wählen, weil er glaube, dass die es besser könne, freut sich der Spitzenkandidat sichtlich.

Eine Gemeinsamkeit verbindet Rohr und Dörfler. Beide betonen immer wieder, das Wort "Wahlkampf" abzulehnen. "Für mich ist das Wahlarbeit, denn es heißt, Überzeugungsarbeit zu leisten", meint der SPÖ-Chef. Und der BZÖ-Regierungschef erklärt: "Von Wahlkampf reden die anderen, ich sage lieber Wahlbewegung, weil wir bewegen uns zu den Menschen." In einer Woche werden beide wissen, ob ihr Rezept besser funktioniert hat als das des Mitbewerbers. (APA)

 

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