Historische Strafe für Dubai-Turnier

21. Februar 2009, 14:15
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Der "Fall Peer" kostet die Veranstalter 300.000-Dollar. Die Israelin bekommt Durchschnittspunkte und -Preisgeld 2008 gutgeschrieben - Roddick sagte aus Protest ab

Miami - Die Tennis-WTA-Tour hat die Organisatoren des Damen-Turnies von Dubai nach dem verweigerten Visum für Shahar Peer am Freitag mit der Rekordstrafe von 300.000 Dollar (238.265 Euro) belegt. Die Israelin erhält als Kompensation für ihr Nichtantreten 44.250 Dollar (35.144 Euro) und 130 Weltranglistenpunkte. Das entspricht dem Durchschnitt ihres Preisgelds bzw. der erreichten Punktezahl pro Turnier 2008.

Roddick protestiert

Der Fall, der nicht nur in jüdischen Kreisen für große Empörung gesorgt hatte, löste eine Welle von Reaktionen aus. Die gewichtigste ist sicherlich die Absage von Andy Roddick für das nächstwöchige Herren-Turnier in Dubai. Der Amerikaner, 2008 mit dem Finalsieg über den Spanier Feliciano Lopez zum 25. Mal Sieger eines ATP-Turniers, verzichtet freiwillig auf die Titelverteidigung. "Ich bin wirklich nicht damit einverstanden, was passiert ist", sagte der Weltranglistensechste am Rande des Turniers in Memphis.

"Es ist fehl am Platz, dass sich Sport und Politik in diesem Maß vermischen", begründete er seinen Rückzug. Der mit über zwei Millionen Dollar dotierte ATP-Event in Dubai verliert damit nach den verletzungsbedingten Absagen von Roger Federer und Rafael Nadal eine weitere Attraktion.

Strenge WTA-Auflagen für Dubai 2010

Das Organisationskomitee in Dubai verpflichtete sich im "Fall Peer", im Juli eine finanzielle Garantie von zwei Millionen Dollar (1,59 Mio. Euro) vorzuweisen, wenn es im WTA-Kalender 2010 verbleiben will. Die WTA-Tour verlangt spätestens acht Wochen vor Turnierstart eine schriftliche Bestätigung, dass alle qualifizierten Spieler, auch Israelis, in Dubai antreten dürfen. Shahar Peer wird, sollte sie es durch ein zu tiefes Ranking verpassen, automatisch mit einer Wild Card ausgestattet (werden müssen).

"Die getroffenen Maßnahmen sollen eine Wiedergutmachung für die unrechtmäßigen Dinge sein", erklärte WTA-Chef Larry Scott. "Shahar Peer war das Opfer einer ungerechten Art von Diskriminierung durch die Vereinigten Arabischen Emirate. Die Maßnahmen wurden getroffen, um klarzustellen, dass unsere Tour keine Diskriminierung und keine solchen Situationen mehr duldet, ob in den VAE oder sonst wo."

Höchste WTA-Strafe

Neben Peer wurde auch Anna-Lena Grönefeld entschädigt. Die Deutsche konnte nicht mit Peer im Doppel antreten und erhielt von der WTA daher 7.950 Dollar (6.314 Euro). Die bisher größte von der WTA verhängte Strafe gegen einen Turnierveranstalter fließt zu einem Teil in die Taschen von Peer und Grönefeld, dazu profitieren wohltätige Organisationen davon. Peer darf bestimmen welche.

Die 21-Jährige war beim lukrativen Turnier von Dubai (2 Mio. Dollar Preisgeld) zum Nichtantreten gezwungen, weil sie aus politischen und sicherheitstechnischen Gründen kein Visum erhalten hatte. Kurz darauf lockerte der Golfstaat seine Einreisebestimmungen für Israeli. Davon profitiert unter anderem Doppelspezialist Andy Ram. Der dieswöchige Partner des Vorarlbergers Julian Knowle in Marseille - am Sonntag im Finale - kann dank der "speziellen Bewilligung" durch die Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate, die keine diplomatischen Beziehungen zu Israel unterhält, am ATP-Turnier teilnehmen. (APA/Si)

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    Die WTA verhängte gegen den Turnierveranstalter von Dubai ihre bisher höchste Strafe.

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