Last Exit Shanghai - Exilkabarett in "Little Vienna"

19. Februar 2009, 14:10
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Pissegestank verschlägt den Ankömmlingen den Atem, die brütende Hitze über Schanghais Hafen heißt niemanden willkommen und lädt nicht zum Verbleiben ein. So beginnen wenige Liebesgeschichten. Auch die der Exilanten, die seit den frühen 1930er-Jahren vor den Nationalsozialisten aus Europa fliehen mussten, begann als kultureller Schock. Erst durch ihr Nichtaufgeben und Engagement enstand in der chinesischen Metropole ein eigene europäisch-jüdische Bühnenkultur. Eine geglückte Würdigung erfährt diese im Rahmen der Jüdischen Kabarettwochen durch die Revue Last Exit Shanghai. Aufgeführt im Wiener Theater L. E. O., dokumentiert das von Elisabeth Buxbaum und Georg Wacks zusammengestellte Programm, was die aus Berlin und Wien vertriebenen Kulturschaffenden im Exil aus dem Boden stampften, um nicht zugrunde zu gehen. Mit Elena Schreiber, Stefan Fleischhacker, Martin Thoma samt Feliks Fraberger am Klavier findet der Stoff würdige Interpreten. Dramaturgisch geschickt gelöst liefern Videoeinspielungen nötiges Wissen zum harten Alltag der Exilanten im japanisch besetzten Schanghai. So folgt der Ode ans gemütliche Kanapee die Suche nach Normalität im fremden China. Heimweh und Verzweiflung werden mit sarkastischem Schmäh gelindert, bis das erzwungenen Exil fast schon liebenswürdig erschien. (hoge; DER STANDARD/Printausgabe, 21./22.2.2009)

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