Homosexualität im Fußball: Offene Kritik am ÖFB

20. Februar 2009, 19:16
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Diskussion über das Tabuthema und die Tatenlosigkeit - Ein Outing sei einem einzelnen Spieler kaum zumutbar

Wien - Warum gibt es keine homosexuellen Fußballer? Eine oft und zuletzt bei der Podiumsdiskussion des Club 2x11 in der Wiener Hauptbücherei gestellte Frage.

Der Befund war eindeutig: Im Fußball wird Homophobie offen ausgelebt, sei es bei den Fans, innerhalb der Teams oder auf Funktionärsebene. Gerade die verbalen Fouls wären dabei unüberhörbar. Das Wort "schwul" sei akzeptierter Bestandteil fußballspezifischer Beschimpfungskultur und stehe für das Schwache, Schlechte, Abstoßende. Ein Problem wären auch Klischees wie jenes, dass schwule Männer "genetisch nicht in der Lage" wären, harten Sport auszuüben. Das würde ein Outing ungemein erschweren.

Outing wäre belastend

Tanja Walther (Gay and Lesbian Sport Federation) und Ronny Blaschke (Autor des Buches "Versteckspieler") äußerten sich skeptisch über ein unvermitteltes Outing. Einem einzelnen Spieler wäre eine solche Belastung kaum zumutbar. Vorher müssten Netzwerke gebildet werden, die einen Fußballer bei diesem Schritt unterstützen. Der doppelte Grüne Marco Scheuder (Rapid-Fan, Gemeinderat) sagt: "Ein Outing würde der abstrakten Diskussion ein Gesicht geben." Für Walther haben es Fußballerinnen leichter, da sie nicht im Fokus der Medien stehen.

Bei der Enttabuisierung von Homosexualität im Fußball würden Funktionäre eine wichtige Rolle spielen. Walther lobte den Präsidenten des deutschen Fußballbunds (DFB), Theo Zwanziger, der öffentlich für eine Unterstützung homosexueller Fußballer eintrat. Laut Scheuder sollte sich der ÖFB daran orientieren. "Der hat noch nie etwas gegen Homophobie im Fußball unternommen." (Stefan Heißenberger, DER STANDARD, Print, 21.2./22.2.2009)

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