sargnagel und beißzange

20. Februar 2009, 19:00
3 Postings

jede beißzange hatte ihren sargnagel

sargnagel: bevor wir zu reden beginnen, müssen wir einiges klären. ja, aber wenn wir etwas klären wollen, müssen wir reden. typisch beißzange. wie ich dich kenne, willst du unsere gesellschaftliche rolle klären. beißzange: wenn ich die sache richtig betrachte, gibt es dich schon lange nicht mehr realiter, du hast nur als metapher überlebt. aber als lebendige. sargnagel: klar, särge werden schon lange nicht mehr genagelt, nur mehr geleimt, geschraubt oder gar geklammerlt. eine pest, diese klammlerei. ich, die beißzange, werde noch gebraucht. ohne beißzange kein heimwerker. aber als metapher bist du schwach geworden, geradezu altmodisch. daran ist die bornierte frauenfreundlichkeit schuld. früher hatte ich in herrenwitzen ein prächtiges dasein. ohne beißzange kein herrenwitz. das waren oft richtige zangen-geburten. schwiegermütter waren prinzipiell beißzangen. die rache war der sargnagel. jede beißzange hatte ihren sargnagel. das waren noch zeiten. ja, aber beißzangen hat man auch oft als sargnägel bezeichnet. ja, darum hat ja das handwerk keinen goldenen boden mehr.

(friedrich achleitner, DER STANDARD/Printausgabe, 21./22.02.2009)

 

Share if you care.