"Eltern und Lehrer bereit"

20. Februar 2009, 19:01
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Parteiübergreifende Arbeitsgemeinschaft fordert gemeinsame Schule für alle Sechs- bis 15-Jährigen

Rankweil - 51 von 56 Hauptschulen werden ab kommenden Herbst zur "Vorarlberger Mittelschule" , Vorarlberg wird laut Schullandesrat Siegi Stemer (VP) zur "Modellregion". So einfach geht das nicht, meinen Kritiker: "Viele Standorte machen noch keine Neue Mittelschule", sagt Gerhard Rüdisser, Obmann der Unabhängigen Bildungsgewerkschaft, und: "Die Vorarlberger Mittelschule dient nur der Verhinderung der Gemeinsamen Schule der Zehn- bis 14-Jährigen."

Am Donnerstagabend lud die Arbeitsgemeinschaft Gemeinsame Schule, eine bundesweit einmalige parteiübergreifende Kooperation von Lehrer- und Elternorganisationen, zur Diskussion in die Hauptschule Rankweil. Lehrende aus Mittelschulen, Gymnasien, Hauptschulen, Pädagogischer Hochschule, Eltern und der zuständige Inspektor sollten klären, ob die Vorarlberger Mittelschule den Weg zur Gemeinsamen Schule blockiert.

Das Ziel der "Arge Gemeinsame Schule" geht noch weit über eine gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen hinaus. Sie will eine grundlegende Veränderung des Schulsystems. Chancengleichheit und individuelle Förderung soll durch eine gemeinsame, ganztägige Schule der Sechs- bis 15-Jährigen möglich werden.

Die erste Kritik, mit der Bezirksschulinspektor Christian Kompatscher, Koordinator und Modellentwickler konfrontiert wurde: Vorarlberg habe sich vom österreichweiten Modell Neue Mittelschule "abgekoppelt" . Davon wollte der Neo-Inspektor nichts wissen, "besondere Facetten" gebe es aber. Der wesentliche Unterschied: nicht einzelne Vorzeigeschulen sollen entstehen, sondern ein "breiter Schulentwicklungsprozess" . Dem vom Ministerium geforderten Team-Teaching von AHS- und Hauptschullehrern seien Grenzen gesetzt, weil es in Vorarlberg keine arbeitslosen AHS-Lehrer gebe. Nur wenige AHS-Lehrer zeigten Bereitschaft zum Unterricht an Hauptschulen.

Kompatscher: "Wir haben die Lehrer eingeladen, nun warten wir auf ihre Reaktionen."
Keine klare Antwort konnte Kompatscher auf die Frage geben, wann nun auch in Vorarlbergs Mittelschulen die Leistungsgruppen abgeschafft würden.

Diese Klarheit hätten aber Lehrende wie Eltern gerne. Aufbruchstimmung herrsche an den Hauptschulen, konstatierte der Bildungssprecher der Grünen, Harald Walser: "Die Lehrer, die Eltern sind bereit. Jetzt braucht es klare politische Entscheidungen." Die sollten hin zu einer Zusammenführung von Hauptschule und AHS-Unterstufe führen, war man sich einig. Tenor: Die Vorarlberger Mittelschule könnte ein erster Schritt dazu sein. Und: Länger als fünf Jahre sollte dieser Prozess nicht dauern. (Jutta Berger, DER STANDARD, Printausgabe, 21.2.2009)

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