Der Iran hat genug Material für die Bombe

20. Februar 2009, 18:58
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Der Iran hat mehr niedrig angereichertes Uran als erwartet und damit die nukleare „break out capability" erreicht

Wien - „Iran bereit, Atombombe zu bauen" titelte CNN am Tag nach dem Erscheinen des Berichts der IAEO (Internationale Atomenergieorganisation) zum iranischen Atomprogramm. Das klingt einfacher, als es ist. Die Aussage stützt sich auf die 1010 kg UF6 (Uranhexafluorid), über die der Iran laut IAEO-Angaben heute verfügt. Das wäre die niedrigste Schätzung der Menge, die man für eine „break out capability" braucht: der Punkt, an dem ein Land, korrekt formuliert, genügend Material hat, um genügend Material für eine Bombe herzustellen.

In Zahlen sieht das so aus: Mit 1030 bis 1180 UF6 hat man etwa 700 bis 800 kg niedrig angereichertes Uran (LEU: Low Enriched Uranium). Das halten manche Experten für ausreichend, um daraus genügend hoch angereichertes Uran (HEU: High Enriched Uranium) für eine Bombe zu gewinnen.

Andere Experten setzen die Schwelle höher an. Aber das ist unwichtig, klar ist und war bereits zuvor, dass der Iran irgendwann im Jahr 2009 diesen Punkt erreicht. Deshalb meinen ja Vertreter eines Strategiewechsels im Atomstreit mit dem Iran, dass man sich nicht mehr auf eine Einstellung der Urananreicherung versteifen, sondern sich darauf konzentrieren sollte, zu verhindern, dass der Iran seine „break out capability" auch nützt, also tatsächlich aus seinem LEU waffenfähiges HEU herstellt.

Denn das ist erstens technisch eine neue Phase, vor allem aber müsste das LEU zuvor der Kontrolle der IAEO entzogen werden, die jetzt jeden Produktionsschritt überwacht. Sie konstatiert in ihrem Bericht, dass die Materialbilanz stimmt, dass also von dem (bekannten) LEU nichts zu einer vielleicht geheimen Weiterverarbeitung abgezweigt wurde.
Im Gegenteil, es wurde mehr LEU gefunden als erwartet. Im IAEO-Bericht wird das nicht - wie am Tag danach in manchen Medien - dem Iran als Betrug ausgelegt, sondern als Produkt eigener Berechnungen gesehen, die sich auf iranische Kalkulationen in einer früheren Produktionsphase stützten. Und jetzt gibt es erstmals die physische Inventur dazu, der die Berechnungen auch für die Zukunft angepasst werden.

Wichtiger als diese Zahlenspiele und wichtiger auch als die bekannte Urananreicherung ist: Der Iran bleibt weiter Antworten auf Fragen der IAEO zu „Studien" schuldig, die auf eine militärische Dimension des Atomprogramms hinweisen. Auch weigert sich der Iran weiter, den relativ einfachen vertrauensbildenden Schritt zu tun und erweiterte Inspektionen an anderen Anlagen zuzulassen. Gepaart mit den Drohungen von Präsident Mahmud Ahmadi-Nejad gegen Israel weiter Grund zur Sorge. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, Printausgabe, 21.2.2009)

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