Driving Miss Desi

20. Februar 2009, 20:20
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DER STANDARD begleitete Opernball-Organisatorin Treichl-Stürgkh durch die Ballnacht - Der Bundespräsident gab "Thumbs up"

Wien - "Ich habe Angst." Desirée Treichl-Stürgkh sagt das lieber leise. Und ansehen, hofft sie, "kann man es mir nicht. Oder?" Schließlich, weiß die Organisatorin des Opernballs, lautet ihre Aufgabe anders: "Ich muss den Kindern Mut machen. Die dürfen nicht merken, wie nervös ich bin."

Die "Kinder" sind keine. Donnerstagabend, knapp vor 19.30 Uhr versprüht Desirée Treichl-Stürgkh im sechsten Stock der Oper vor ihren 160 Debütantenpaaren Zuversicht: "Ihr seid super!" Genau das will man im "Orgelsaal" - der turnsaalgroßen Probenhalle, die als "Heerlager" der Eröffnungstänzer dient - hören. Es riecht nach Aufregung: Zwei Stunden noch, dann werden die 160 Paare in der noch leeren Oper einziehen. Vor 5600 Gästen. Und live im TV.

Den Orgelsaal aber kennt kein Mensch. "Der ORF filmt hier nicht. Dabei spürt man hier den Ball am besten." Umso glücklicher ist Stürgkh, dieses "Herzstück" präsentieren zu können: der Standard begleitete sie durch die Ballnacht.

Treichl-Stürgkhs Angst war nachvollziehbar: Wien mag Veränderungen nicht. Auch deshalb wurde Thomas Schäfer-Elmayers Entlassung zur Staats(ball)affäre hochstilisiert: Eine verpatzte Eröffnung würde man der Organisatorin "umhängen". Und auch für das Ausbleiben zahlreicher (Wirtschafts-)Größen brauchte man einen Sündenbock: Die "Krise" ist abstrakt - eine Bankiersgattin im Dior-Kleid ("ich muss es leider wieder zurückgeben") nicht.

Kein Wunder also, dass Stürgkh nervös und fluchtbereit war: "Dort kommt der Dominic (Heinzl, ATV-Society-Chef, Anm.) - nehmen wir einen anderen Weg." Doch mitten auf der Feststiege ("Wir hatten Pläne, den jährlichen Stau zu vermeiden - aber der ORF sperrt erst recht wieder alles ab.") steht plötzlich Elmayer vor Stürgkh. "Alles Gute", flötet er. "Ihre Kommentare über die Proben waren echt nicht in Ordnung", kontert sie - und lässt den "Benimmpapst" stehen.

Doch die Eröffnung gelingt fulminant. "Ich konnte vor Nervosität kaum stehen. Aber als es vorbei war, hat mir der Bundespräsident grinsend 'Thumbs up' gegeben", jubelt Treichl-Stürgkh - und weiß, dass der Weg in Heinz Fischers Loge dennoch ein Spießrutenlauf werden wird: Minister stehen Schlange, um ihr auf die Schulter zu klopfen. Ballgäste und Presseleute wollen Fotos. Und sogar die düstere Miene des kurz in die Oper geeilten Gatten Andreas Treichl (Erste Bank), hellt sich kurz auf, als Starpianist Rudolf Buchbinder ihm zum Erfolg seiner Frau gratuliert. Freilich: Mit Fischer plaudert Treichl dann über andere, ernste Dinge. Danach entschuldigt er sich: "Ich geh wieder hackeln."

"Jiddischer Reggae"

Um Mitternacht spielt eine Roma-Band. "Jiddischer Reggae", so Stürgkhs Freundin, die Künstlerin Nana de Bary. Die Debütanten entern die Tanzfläche. Stürgkh seufzt: "Ich würde am liebsten mittanzen, aber ich trau mich nicht." Der Zahnarzt Robert Lhotka zieht sie ins Getümmel. Die Debütanten begrüßen sie mit "Desi! Desi!"-Rufen. "Ich fühle mich wie 17", lacht die dreifache Mutter.

Doch um drei Uhr früh ist Treichl-Stürgkh den Tränen nah: Richard Lugners Securitys, geht die Mär, hätten im Chaos um den Mietgast Nicollette Sheridan Fotografen verprügelt. Eine Übertreibung, wie sich später herausstellt.

Doch die Botschaft trifft Stürgkh ungefiltert: "Es hätte so schön sein können. Aber sobald er auftaucht, wird es mühsam." Markus Rogan, neben Stefan Ruzowitzky einer von Stürgkhs Logengästen, tröstet: "Gegen solche Leute kann man wenig tun - außer mit positiven Botschaften kontern." Und Lhotka assistiert: "Lugners gibt es immer. Schau dir lieber die Gesichter deiner Debütanten an: Der Ball ist im 21. Jahrhundert angekommen. Endlich." (Thomas Rottenberg/DER STANDARD, Printausgabe, 21./22.2.2009)

  • In Dior ("Ich muss das Kleid leider zurückgeben") und in Begleitung von Standard-Redakteur Rottenberg durch die Nacht: Treichl-Stürgkh
    der standard/matthias cremer

    In Dior ("Ich muss das Kleid leider zurückgeben") und in Begleitung von Standard-Redakteur Rottenberg durch die Nacht: Treichl-Stürgkh

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    "Der Ball ist im 21. Jahrhundert angekommen. Endlich." Trotz aller Unkenrufe war der Opernball 2009 bis auf den allerletzten Logenplatz ausverkauft

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    Der weniger belagerte Star des Abends: Oscar-Preisträger Stefan Ruzowitzky mit Gattin Birgit

  • Konnte sich nur mit schwerer Security den Weg bahnen: Nicollette Sheridan
    der standard/matthias cremer

    Konnte sich nur mit schwerer Security den Weg bahnen: Nicollette Sheridan

  • Koketter Spiegelblick: Andre J. ist für das "Konkurrenzunternehmen" Life Ball tätig und begleitete Gery Keszler
    der standard/matthias cremer

    Koketter Spiegelblick: Andre J. ist für das "Konkurrenzunternehmen" Life Ball tätig und begleitete Gery Keszler

  • Eine exklusive Spezialeinlage des Debütanten zu später Stunde: Fiona Swarovskis Sohn Arturo Pacifico Griffini organisierte mit ein paar Freunden eine Extrapolonaise hinter den Bühnenlogen - während es nebenan im Ballsaal im Chor der großen Menge hieß: "Die Herr'n voraus, die Herr'n voraus, die Damen hinterdrein ..."
    der standard/matthias cremer

    Eine exklusive Spezialeinlage des Debütanten zu später Stunde: Fiona Swarovskis Sohn Arturo Pacifico Griffini organisierte mit ein paar Freunden eine Extrapolonaise hinter den Bühnenlogen - während es nebenan im Ballsaal im Chor der großen Menge hieß: "Die Herr'n voraus, die Herr'n voraus, die Damen hinterdrein ..."

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