Kritik am "unausgegorenen" Modell Campus

20. Februar 2009, 18:56
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Vom Kindergarten bis zum Ende der Schulpflicht soll künftig an einem Ort unterrichtet werden - Ob Gymnasien dabei sein werden, weiß man nicht

Die Koordinatoren verdienen insgesamt 150.000 Euro

Wien – Das Schulsystem ist im Umbruch, das beweisen erste Gehversuche mit der gemeinsamen Schule der Zehn- bis 14-Jährigen (siehe Artikel unten). Dazu passend ist also auch das Bestreben der Wiener Stadtregierung, das Schulgesetz zu ändern. Noch dazu, da Bildung auch bei der Klubtagung der SPÖ im burgenländischen Rust kommende Woche mit dem Gratis-Kindergarten prominent thematisiert werden soll.
Eine der Neuerungen im Schulgesetz: Der Campus wird verankert. Die Definition ist laut Gesetzesentwurf: "Ganztägige Schulformen (...) und ganztägige Kinderbetreuungseinrichtungen (...) können als gemeinsame Bildungseinrichtungen geführt werden und führen die Bezeichnung Campus."

Dafür steht aber schon fest, dass es drei Verwaltungsfunktionen geben soll: einen Campusleiter für Wien und zwei Campusadministratoren für jeden Standort. Auch das Thema Gehälter ist geklärt: Jährlich 70.000 Euro brutto für den Leiter und 40.000 Euro für die Administratoren.


Ein derartiger Campus für Null- bis Zehnjährige soll kommendes Schuljahr in Monte Laa eröffnen. Ein weiterer startet im Herbst 2010 im Nordbahnhofgelände, dort werden auch Zehn- bis 14-Jährige unterrichtet. Im innerstädtischen Bereich gibt es zwar vier Standorte, die unter "Campus" laufen, diese sind aber Volksschulen mit einer speziellen Nachmittagsbetreuung. Denn die Idee hinter dem Campus-Modell ist, dass Eltern künftig weder Taxi spielen müssen, noch den Nachhilfelehrer geben, beziehungsweise suchen müssen. Sowohl Sport- und Musikangebot als auch Hausübungs-Betreuung werden in der Schule angeboten.

Vorreiter Privatschulen

Campus-Vorreiter sind konfessionelle Privatschulen, wie etwa die katholische Privatschule Friesgasse, wo vom Kindergarten über Hauptschule bis zur AHS alle Schulformen vertreten sind, oder die jüdische Zwi-Perez-Chajes-Schule im Wiener Prater.

Stadtschulratspräsident-Vize Walter Strobl (VP) bezeichnet das Wiener Campus-Modell als "vollkommen unklar und unausgegoren" . Ein Campus mache nur dann Sinn, wenn auch Bundesschulen (Unter- und Oberstufe Gymnasien, Berufsschulen) mit eingebunden seien. Eine bundesgesetzliche Regelung für derartige Kooperationen fehlt aber. Ausnahmen bilden die Schulversuche Neue Mittelschule und Kooperative Mittelschule.

Hier gibt es Auffassungsunterschiede zwischen SPÖ und ÖVP, was die weiterführenden Schulen betrifft. Wo die SPÖ längerfristig die Gesamtschule etablieren will, möchte die ÖVP nach wie vor die Trennung Hauptschule und AHS beibehalten, allerdings mit "innerer Differenzierung".

Nun wollen sich dem Vernehmen nach Schulstadträtin Grete Laska (SP) und der Wiener VP-Chef, Wissenschaftsminister Johannes Hahn, annähern. Seit Jahren gibt es allerdings keine Annäherung beim Thema Schulentwicklungsplan (Schep), in dem festgelegt werden soll, wie man auf Schülerströme reagiert, wo man Schulen braucht, wie viele Lehrer man einsetzt. Der Schep wurde vor elf Jahren vom Gemeinderat beschlossen, aber nie umgesetzt. Nicht nur die ÖVP, sondern auch SP-Lehrergewerkschafter fordern einen Maßnahmenplan für die kommenden Jahre.

Analysen gebe es, sagt Laskas Sprecherin Monika Sperber. Das Schulsystem sei eben dynamisch. So einfach wie in der Stadtentwicklung könne man bei Schulen keinen Plan erstellen. (Marijana Miljković, DER STANDARD, Printausgabe, 21.2.2009)

  • Noch ist das Campus-System ein Modell, die erste Schule in Monte Laa (Bild) soll im Herbst eröffnen. Die Bundesschulen sind hier derweil noch nicht vorgesehen.
    foto: stadt wien

    Noch ist das Campus-System ein Modell, die erste Schule in Monte Laa (Bild) soll im Herbst eröffnen. Die Bundesschulen sind hier derweil noch nicht vorgesehen.

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