Politstreit um neue Chefs

20. Februar 2009, 18:50
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Der Proporz feiert am Flughafen Wien fröhliche Urständ

Wien - Die mehr als sechstündige Aufsichtsratsitzung am Wiener Flughafen endete am Freitag mit einer Überraschung. Die Vorstandsverträge von Herbert Kaufmann (Sprecher) und Gerhard Schmid (beide werden der SP zugerechnet) wurden wider erwarten nicht verlängert. Beide Verträge laufen Ende September 2009 aus. Es ist üblich Vorstandsverträge ein halbes Jahr vor Ablauf zu verlängern.

Der von NÖ-Landeshauptmann Erwin Pröll als Nachfolger von Christian Domany bereits vorweg nominierte niederösterreichische Landesrat Ernest Gabmann bekam vorerst gleichfalls nur einen Vertrag bis 30. September 2009. Domany scheidet Ende Februar 2009 aus.

Streit im Kontrollgremium

"Wir haben auf Mord und Brand gestritten", schilderte ein Sitzungsteilnehmer. Die anstehende Bestellung von Kaufmann und Schmid sei nicht durchzubringen gewesen. Deshalb hat man folgende Lösung gewählt. Für alle drei Positionen wird bis 20. März per Head-Hunter gesucht. Kaufmann und Schmid müssen sich neu bewerben, haben aber aus den eigenen Reihen die Zusicherung, bei der nächsten Aufsichtsratsitzung am 25. März wieder bestellt zu werden.

Offiziell wird zwar gesucht, aber de facto hat auch Gabmann ein fixes Ticket. Hintergrund für den Handel: Am Donnerstagabend gab es ein Gespräch der Landeshauptleute von Wien und Niederösterreich, Michael Häupl und Erwin Pröll. Dem Vernehmen nach sollte am Freitag Gabmann sogar zum Vorstandssprecher gekürt werden, was die "roten" Aufsichtsräte ablehnten.

Unangenehme Fragen auf der HV

Eines ist jedenfalls fix, bei der Hauptversammlung (HV) am 23. April müssen sich die Flughafen-Organe auf unangenehme Fragen der Aktionäre einstellen. Wie berichtet "wollte" Domany, der für die Finanzen und das Bauwesen (neues Terminal Skylink) zuständig ist, seinen ebenfalls im September auslaufenden Vertrag nicht mehr verlängern. Offiziell, weil er nach Paris mit seiner Frau übersiedelt, die dort eine Position bei Johnson & Johnson übernimmt. Inoffiziell hieß es, Domany "wurde von der eigenen Partei abgezogen". und er habe "Angst vor der Endabrechnung" für das preislich und zeitlich völlig aus dem Lot geratene Skylink-Terminal bekommen.

Stimmen die Gerüchte, so wird nun ein Kassasturz beim Skylink gemacht. Man wolle wissen, wie ernst die Situation wirklich sei. Ursprünglich wurden die Kosten mit 400 Millionen Euro budgetiert, derzeit ist man bei 657 Millionen Euro. Die Bauzeit wurde bisher um 16 Monate überschritten.

Kritik an Nominierung Gabmanns

An der Nominierung Gabmanns am Aufsichtsrat vorbei - der eine Regierungsumbildung in Niederösterreich voranging - hagelte es massive Kritik. Die Länder Niederösterreich und Wien, die beide je 20 Prozent der Flughafenanteile halten und mithin bestimmende Aktionäre sind, haben ein Vorschlagsrecht für den Vorstand und Mitglieder des Aufsichtsrates. Vorstand und Aufsichtsrat werden am Flughafen mit roten und schwarzen Personen besetzt.

Erwin Pröll verteidigte die Nominierung von Gabmann mit den Worten, dieser sei "ein kompetenter und erfahrener Wirtschaftspolitiker". Der knapp 60-Jährige war seit Oktober 1992 Wirtschaftslandesrat in Niederösterreich. Im Dezember 2004 wurde er Pröll-Stellvertreter. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21./22.2.2009)

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