"Ich glaube, die Chancen stehen nicht schlecht"

20. Februar 2009, 18:01
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Roland Teichmann, Leiter des Österreichischen Filminstituts, zeigt sich hinsichtlich eines Oscars für "Revanche" zuversichtlich

Kopfzerbrechen bereitet ihm im Gespräch mit Dominik Kamalzadeh der ORF.

Standard: Beginnen wir mit Kaffeesatzlesen – wird "Revanche" einen Oscar gewinnen?

Teichmann: Ich glaube, die Chancen stehen nicht schlecht. Natürlich ist die Nominierung schon eine Sensation. Beim Fälscher konnte man noch sagen, dass er dem Oscar thematisch entgegenkam. Doch Revanche, ein Autorenfilm, bedient kein Oscar-Klischee. Die Konkurrenz ist groß, aber ich kann mir vorstellen, dass er auch dieses Sahnehäubchen mitnimmt.

Standard: Würde ein zweiter Oscar Rückenwind für Budgetverhandlungen in Krisenzeiten bedeuten?

Teichmann: Natürlich wäre es keine schlechte Werbung für uns. Ein Oscar wäre ein Grund, den Erfolg des Films auch durch eine finanzielle Dotierung zu bestätigen. Die Sparansagen aus dem Finanzministerium sorgen allerdings für Stirnrunzeln. Es ist zu befürchten, dass dort gekürzt wird, wo es keine starke Lobby gibt – was bitter wäre, weil gerade jetzt die Erfolge da sind, auf denen man aufbauen könnte.

Standard: Kulturministerin Schmied hat auch als eine Folge des Oscars eine Aufstockung des Filmbudgets auf 20 Mio. Euro in Aussicht gestellt. Gibt es Anzeichen, ob und wann diese erfolgen wird?

Teichmann: Das ist auch eine Form des Kaffeesatzlesens. Es gibt ein hohes Maß an Unterstützung. Die Frage ist, ob die Ministerin den Spielraum für ihre selbstgelegte Latte haben wird. Ich rechne damit, dass die Aufstockung in Tranchen passiert. Mir wäre es recht, wenn wir 2009 die 17,5 Mio. bekommen – 2010 dann 20 Mio. Euro. Operatives Budget waren zuletzt 15,5 Mio – ich gehe davon aus, dass wir nicht darunter rutschen.

Standard: Das klingt so, als würde sie mit einer Stagnation rechnen?

Teichmann: Das sind in Wahrheit die Szenarien. Man bewegt sich schnell auf dünnem Eis, wenn man Zahlen nennt. Doch der Verhandlungsspielraum wird eng sein.

Standard: Umgekehrt hat der ORF vor, das Film-/Fernsehabkommen aufzukündigen. Gibt es in dieser Sache bereits Fortschritte?

Teichmann: Das ist noch nicht vom Tisch – ein absoluter Witz. Beim ORF herrscht eine grundfalsche Einstellung vor. Es ist einzigartig, dass man als öffentlich-rechtlicher Sender einen Teil einsparen will, der beste Ware liefert. Das Budget von 6,5 Mio. Euro wurde seit fünf, sechs Jahren nicht evaluiert – das ist nicht viel Geld, wenn man weiß, wie viel ein Film kostet. Im Gegenteil wäre jetzt der geeignete Zeitpunkt, das Abkommen auf 10 Mio. Euro aufzustocken.

Standard: Der Marktanteil des österreichischen Films hat sich im Kino verdreifacht. Warum ignoriert der ORF diese Entwicklung?

Teichmann: Der ORF hat ja nicht nur ein Finanzproblem, sondern ein Profilproblem. Der Trend im Kino zeigt, dass es einen Bedarf nach diesen Filmen gibt. Das ORF-Finanzierungsloch wird nicht mit Strukturreformen, sondern mit Programmeinsparungen gestopft. Dem Sender würde mehr Selbstvertrauen gegenüber Filmen, die er mitproduziert hat, gut zu Gesicht stehen. Es ist doch für jeden Zuseher ersichtlich, dass der ORF ein Abspielmedium für US-Serien ist. Wen interessiert das denn?

Standard: Wie sieht es mit Steuerbegünstigungen aus – eine Maßnahme, die Sie schon länger fordern?

Teichmann: Da ist Österreich Entwicklungsland. In ganz Europa finden sich fiskalische Maßnahmen, die den Filmstandort attraktiv machen. Film ist ein vagabundierendes Gewerbe, wir bieten viel zu wenig finanzielle Anreize – das schadet der Branche und führt zu diskontinuierlichen Beschäftigungsmodellen. Da ist die Wirtschaftspolitik dringend gefordert.

(DER STANDARD/Printausgabe, 21./22.09.2008)

Zur Person:
Roland Teichmann (38) ist seit Mai 2004 Direktor des Österreichischen Filminstituts (ÖFI).

  • "Natürlich wäre ein Oscar gute Werbung für uns." ÖFI-Direktor Roland
Teichmann wartet gespannt auf die Oscar-Verleihung am Sonntag. Das
richtige Plakat hängt bereits im Büro.
    foto: r. newald

    "Natürlich wäre ein Oscar gute Werbung für uns." ÖFI-Direktor Roland Teichmann wartet gespannt auf die Oscar-Verleihung am Sonntag. Das richtige Plakat hängt bereits im Büro.

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