Rebellen flogen Kamikaze-Flüge auf Colombo

21. Februar 2009, 18:27
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Selbstmordanschläge mit vier Toten und mehr als 50 Verletzten - Bei weiterem Überfall auf Dorf zwei Tote

Colombo - Die jüngsten Luftangriffe tamilischer Rebellen auf die srilankische Hauptstadt Colombo wurden von Selbstmordattentätern verübt. Die Flugzeuge sollten in ein Hochhaus der Streitkräfte in der Innenstadt sowie in einen Luftwaffenstützpunkt nahe des internationalen Flughafens stürzen, wie die den Befreiungstigern von Tamil Eelam (LTTE) nahestehende Website TamilNet am Samstag berichtete. Bei den Angriffen vom Freitagabend kamen neben den beiden Piloten zwei Menschen am Boden ums Leben, 51 weitere wurden verletzt.

"Schwarze Tiger"

TamilNet veröffentlichte ein Foto, das die Piloten zusammen mit Rebellenführer Velupillai Prabhakaran zeigen soll - ein üblicher Vorgang vor Selbstmordanschlägen der LTTE. Die Attentäter wurden als "Schwarze Tiger" bezeichnet. Der Angriff sei ein großer Erfolg gewesen, hieß es weiter. Dem widersprachen die Streitkräfte. Luftwaffensprecher Janaka Nanayakkara bestätigte indes, dass es sich um Selbstmordanschläge gehandelt habe. Beide Flugzeuge seien jedoch vor Erreichen ihrer Ziele abgeschossen worden. Eines der Flugzeuge sei mit rund 130 Kilogramm Sprengstoff beladen gewesen, dieser sei aber nicht explodiert.

Der Angriff wurde von Beobachtern als äußerst peinlich für die Regierung gewertet. Diese hatte unlängst erklärt, sie habe sämtliche Start- und Landebahnen in den von Tamilen kontrollierten Gebieten zerstört und die Flugzeuge der LTTE unbrauchbar gemacht. Offenbar sind den Aufständischen aber immer noch mindestens drei Kleinflugzeuge verblieben.

Dorf überfallen

Einen Tag nach dem Luftangriff auf Colombo wurde im Osten des Landes ein Dorf überfallen, wobei laut Armee mindestens zwei Zivilisten getötet und 13 weitere Menschen verletzt wurden. Dem Armeesprecher zufolge attackierten bewaffnete Angehörige der LTTE das entlegene Dorf im 200 Kilometer östlich von Colombo gelegenen Distrikt Ampara. Einzelheiten waren zunächst nicht bekannt. Auch die LTTE äußerte sich bisher nicht.

Der UNO-Beauftragte für humanitäre Angelegenheiten, John Holmes, äußerte sich zutiefst besorgt über die neuerliche Gewalt in Sri Lanka. Es kämen täglich viel zu viele Zivilpersonen ums Leben. Welcher Seite er die Hauptverantwortung dafür gebe, ließ Holmes offen.

In der Schweiz fand unterdessen eine Kundgebung für einen Waffenstillstand zwischen der Regierung und den Rebellen in Sri Lanka statt. Rund tausend Menschen forderten in Bern u.a. humanitäre Soforthilfe. Auf Flugblättern hieß es, 50.000 Menschen seien zwischen der Armee und den tamilischen Rebellen eingeschlossen. Es drohe eine humanitäre Katastrophe. Zudem riefen die Demonstranten nach mehr Engagement des kleinen Alpenlandes in dem Konflikt. Schon 2006 hatten in Genf Friedensgespräche zwischen den Konfliktparteien stattgefunden, die letztlich gescheitert waren. (APA/AP/dpa/sda)

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