10 Jahre eBay Deutschland - Papst-Golf und Knut-Schlafsack

20. Februar 2009, 17:06
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Bei der ersten Onlineauktion wurde schon im September 1995 ein kaputter Laserpointer verkauft

Alle zwei Sekunden wechselt in Deutschland ein Kleidungsstück den Besitzer, alle 14 Sekunden ein Handy, alle zwei Minuten ein Notebook und alle zehn Minuten eine Schrankwand. In ein Geschäft muss dafür aber niemand mehr gehen: Die Zahlen gelten allein für das Online-Auktionshaus Ebay, dessen 14,5 Mio. aktive Mitglieder vom heimischen Computer aus zwischen 28 Mio. Angeboten wählen können. Wer eine neue Geige sucht, eine Segeljacht oder einen Plüschteddy, der schaut heute häufig zuerst einmal ins Internet. Aus dem Einkaufsleben der Deutschen ist eBay nicht mehr wegzudenken.

Dämpfer

Dabei ist es noch nicht lange her, da kannte in Deutschland so gut wie niemand die Internetplattform. Zwar war bei der ersten Onlineauktion in den USA schon im September 1995 ein kaputter Laserpointer verkauft worden. Es sollte aber noch ein paar Jahre dauern, bis sechs Unternehmer das eBay-Konzept vor zehn Jahren, im Februar 1999, für Deutschland übernahmen und die alando.de AG gründeten. Im März ging die neue Plattform online, und im Juni fusionierte sie mit dem US-Rivalen. Es war der Beginn einer Erfolgsgeschichte, die in jüngster Zeit allerdings ein paar Dämpfer bekommen hat.

Die Idee hinter dem Online-Auktionshaus war simpel: eBay verlegte einfach den guten alten Flohmarkt in die virtuelle Welt. Von nun an konnte jeder das Gerümpel vom Dachboden der Großeltern nicht mehr nur in der eigenen Region, sondern in ganz Deutschland zum Verkauf anbieten. Weil im Internet außerdem die Wahrscheinlichkeit höher war, dass Interessenten für so spezielle Dinge wie Stierhuf-Trinkflaschen, Skigondeln oder gebrauchte Herzschrittmacher auf die entsprechenden Verkäufer trafen, wuchs die Internetplattform schnell.

Mit der Zeit veränderte sich durch den wachsenden Erfolg aber der Charakter von eBay. Auf der Plattform tummelten sich immer mehr kommerzielle Anbieter, die statt charmanter Trödelartikel mit Seltenheitswert zunehmend Allerweltsprodukte anboten. Zudem versuchten zahlreiche Nutzer, sich mit dem Handel auf eBay eine neue Einnahmequelle zu erschließen - und gingen dabei nicht immer vollkommen gesetzestreu vor. So verkauften einige Fälschungen und Plagiate teurer Markenwaren über die Plattform. Der Flohmarkt von einst wurde zum Großhandel, der seine Nutzer immer öfter frustriert zurückließ.

Als das Unternehmen mit der beinahe monopolartigen Stellung im letzten Jahr die Einführung eines neuen Bewertungssystems ankündigte, riefen einige Mitglieder sogar zu einem eBay-Streik auf. Unmut verursachte auch die Erhöhung der Provisionen. Nach Angaben des Unternehmens beträgt die Gebühr bei einem erfolgreichen Verkauf derzeit bis zu elf Prozent.

Abschwung

In jüngster Zeit hat zudem der weltweite Wirtschaftsabschwung das Internet-Auktionshaus mit voller Wucht erwischt. Ende Jänner musste eBay mitteilen, dass der Konzerngewinn in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres um fast ein Drittel einbrach und die Umsätze des Unternehmens schrumpften. Bereits im Oktober hatte eBay angekündigt, dass in Deutschland 1.250 Mitarbeiter gehen müssen.

Eines wird dem Internet-Auktionshaus aber wohl auch in der Krise bleiben: Sein Status als ein Spiegel der Zeitgeschichte. Immer wieder werden auf eBay die Hinterlassenschaften von weltweit beachteten Ereignissen zum Kauf angeboten. Ein Deutscher wird zum Papst gewählt - auf eBay findet sich ein Auto, dass er einmal gefahren haben soll. Barack Obama besucht Berlin - auf eBay gibt es eine Unterhose zu kaufen, die er angeblich im Hotel vergessen hat. Und auch der Schlafsack, in dem Eisbär Knut einst neben seinem Pfleger Thomas Dörflein geschlafen hatte, wurde vor kurzem für 1.431 Euro versteigert. (AFP)

 

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