Experiment: Einsamkeit zeigt Auswirkung im Gehirn

22. Februar 2009, 18:00
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Gesellige und einsame Probandinnen reagierten unterschiedlich auf bestimmte Bilder

New York - Dass das Gefühl von Einsamkeit mit bestimmten charakteristischen Hirnprozessen einher geht, zeigt eine aktuelle Studie an der Universität Chicago. Psychologen zeigten Studentinnen im Rahmen eines entsprechenden Experimentes Bilder von Menschen in angenehmen und unangenehmen sozialen Situationen; beim Betrachten der Bilder wurde die Hirntätigkeit der Teilnehmerinnen per Magnetresonanztomographie (MRT) erfasst.

Dabei beobachteten die Forscher vor allem zwei grundlegende Unterschiede: Sahen die Probandinnen Bilder, auf denen sich Menschen in Gemeinschaft wohlfühlten, so war bei den geselligen Frauen das sogenannte ventrale Striatum besonders aktiv. Diese Region ist für das Lernen wichtig und wird durch Belohnung aktiviert.

Aktives Sehzentrum

Zeigten die Aufnahmen dagegen Menschen in unangenehmen sozialen Situationen, so reagierte bei den einsamen Teilnehmerinnen das Sehzentrum sehr stark. Die Forscher schließen daraus, dass diese Menschen verstärkt auf negative Gefühle anderer Personen achten. Bei den geselligen Frauen schaltete sich dagegen der sogenannte temporo-parietale Übergang ein, der dafür wichtig ist, die Perspektive anderer Menschen einzunehmen.

Ob die auffälligen Hirnprozesse Folge oder Ergebnis einer einsamen Lebensweise sind, lassen die Forscher im "Journal of Cognitive Neuroscience" offen. Einerseits beeinflusse zwar Einsamkeit die Hirnaktivität, sagt die Psychologin Jean Decety. Aber umgekehrt könnten sich Menschen aus sozialen Beziehungen auch zurückziehen, wenn das Belohnungszentrum beim Beisammensein mit anderen weniger aktiviert werde. (APA/red)

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