Pause auf der Spitze des Eisbergs

20. Februar 2009, 17:20
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Angelika Rainer ist Weltmeisterin im Eisklettern - Dafür legt die Südtirolerin Uni und Jobs für ein Jahr auf Eis

Frage: Viele Städter wissen noch nicht einmal, dass es Eisklettern gibt - Sie sind mit 22 Jahren Weltmeisterin. Wie kam es dazu?

Antwort: Vor etwa vier Jahren habe ich zufällig gehört, dass in Bozen der erste Italia-Cup im Eisklettern stattfand. Ich habe eher aus Jux teilgenommen - und tatsächlich gewonnen. Ich bin bis dahin aber erst einmal durch einen vereisten Wasserfall geklettert: Aber das Starterinnenfeld war damals noch sehr überschaubar. Das hat sich aber geändert. Auch das Niveau ist enorm gestiegen. Wer heute mithalten will, muss längst wie ein Profi rangehen. Das heißt, dass man da monatelang ganz spezifisch und nach Plan trainieren muss. Aber von dem Sport kann man - noch - nicht leben. Deshalb habe ich nach meiner Diplomprüfung in Agrarwissenschaften im Oktober beschlossen, ein Jahr nur für Klettern, Reisen und Wettkämpfe zu leben. Meinen Master mache ich danach.

Frage: Zahlt sich dieser Mut zur Berufspause denn aus?

Antwort: Ja - ich bin monatelang mit meinen Büchern und Uni-Unterlagen von Wettkampf zu Wettkampf gefahren. Auf Dauer ging das so nicht weiter. Und im Jänner bin ich dann ja auch prompt Weltmeisterin geworden.

Ganz abgesehen davon gewinnt man durch so eine Auszeit auch persönlich enorm dazu. Ich kann das wirklich nur jedem empfehlen: Der Bruch mit den täglichen Routinen, der Wechsel der Abläufe, die doch jeden Tag und sogar jedes Wochenende die gleichen sind, zwingt nämlich jeden, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Da lernt man dann, was einem wirklich wichtig ist - und wo man an sich arbeiten muss. (DER STANDARD, Printausgabe, 21./22.2.2009)

  • Angelika Rainer
    foto: www.angelika-rainer.com

    Angelika Rainer

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