Vorentscheidung im Titelkampf

20. Februar 2009, 15:26
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Der große Kracher zum Frühjahrsauftakt: RB Salzburg vs Rapid - Hofmann: "Muss ja nicht wieder 7:0 sein" - Auch Salzburg auf drei Punkte aus

Wien - Für den österreichischen Fußball-Meister SK Rapid steht am Sonntag (15.30 Uhr/live ORF1 und Premiere) zum Auftakt der Frühjahrsmeisterschaft eine richtungsweisende Partie im Kampf um eine erfolgreiche Titelverteidigung auf dem Programm. Die Hütteldorfer treffen auswärts auf Red Bull Salzburg und könnten mit einem Sieg den Rückstand auf den Spitzenreiter nach Verlustpunkten auf vier Zähler reduzieren.

Allerdings droht bei einer Niederlage auch eine Vergrößerung des theoretischen Abstandes auf zehn Punkte. "Wir wissen, dass wir dieses Spiel auf keinen Fall verlieren dürfen", betonte Kapitän Steffen Hofmann. Trainer Peter Pacult wollte dem großen Schlager aber nicht allzu große Bedeutung beimessen. "Danach gibt es noch immer 13 Runden, da sind noch genügend Punkte zu holen."

Training auf Schnee

Der 49-Jährige fährt mit gutem Gefühl nach Salzburg, wo am Samstagnachmittag im EM-Stadion das Abschlusstraining stattfindet. "Wir haben die Vorbereitung gut absolviert, auch wenn uns die letzten Tage ein bisschen einen Strich durch die Rechnung gemacht haben", erklärte Pacult mit Hinweis auf den Wintereinbruch, weswegen die Grün-Weißen zuletzt auf einem gefrorenen und schneebedeckten Kunstrasenplatz trainieren mussten. Dennoch sei Rapid "von der Infrastruktur her sehr gut aufgestellt".

Ob dies auch für den sportlichen Bereich gilt, werde man am Sonntag sehen. "Wir kennen Salzburg, aber alles ist in erster Linie davon abhängig, was wir zustande bringen." Die jüngsten Testspiel-Erfolge wollte Pacult nicht überbewerten. "Ab jetzt kommen andere Komponenten dazu. Das wahre Gesicht zeigt sich immer erst in einem Punktspiel, wenn der Stress dazukommt."

Über die Rapid-Aufstellung hüllte sich der Wiener noch in Schweigen, möglicherweise könnten aber mit Kayhan und Pehlivan zwei erst kürzlich von den Amateuren zur Kampfmannschaft aufgerückte Kicker in der Startformation stehen. "Wir haben sehr gute Junge, die auf gewissen Leute Druck ausüben können", behauptete Pacult, der unter anderem auf Abwehrchef Tokic (Fersenprobleme) verzichten muss.

Payer, Hedl, Lukse

Die Einser-Frage ließ der frühere 1860-Betreuer unbeantwortet, auch wenn er seine Entscheidung schon getroffen hat. "Aber zuerst erfahren es am Sonntag die Spieler", erklärte Pacult und bedauerte, "dass aus dem Dreikampf zwischen Payer, Hedl und Lukse ein Zweikampf geworden ist, weil Lukse beim Bundesheer war und Trainingsrückstand hat". Dennoch sei seine Mannschaft auch aufgrund der Rückkehr einiger Verletzter "in der Quantität breiter geworden. Ob auch die Qualität besser geworden ist, wird man sehen".

RB spitz auf Sieg

"Wir wollen im Frühjahr den Takt an- und vorgeben - und damit gleich am Sonntag beginnen", meinte Co-Trainer Michael Streiter. "Wir werden am Sonntag auf Sieg spielen. Zuhause wollen wir immer gewinnen, besonders dieses Spiel", erklärte auch Sportdirektor Heinz Hochhauser, der gemeinsam mit Streiter in Vertretung von Co Adriaanse den obligatorischen Medien-Termin vor dem Spiel wahrnahm. Zu diesem wird der niederländische Coach ab sofort nicht mehr erscheinen. "Der Trainer hat sich nicht immer wohl gefühlt. Es hat Unstimmigkeiten gegeben im Umgang miteinander", sagte Hochhauser. Adriaanse werde nur noch nach den Spielen Rede und Antwort stehen.

Vermutungen aus der Bundeshauptstadt, wonach sich das heimstärkste Team vor eigener Kulisse mit einem Remis zufriedengeben könnte, wurden jedenfalls eine Abfuhr erteilt. "Die Wiener brauchen sich nicht freuen, dass wir mit einem Unentscheiden zufrieden wären", meinte Hochhauser, der Bedenken, wonach die Wetterlage auch den Schlager gefährden würde, zerstreute. 400 Mitarbeiter sind laut Club-Angaben im Einsatz, um den bis zu 30.000 Zuschauern in der mit Rasenheizung ausgestatteten Salzburger EM-Arena ein möglichst schneefreies Fußballvergnügen zu liefern.

Erwies sich das denkwürdige Duell in der Mozartstadt im Vorjahr meisterschaftsentscheidend, bemühten sich die Salzburger nun, den Ball flach zu halten. Auch im Falle eines Sieges der Heimmannschaft sei noch keine Entscheidung im Titelrennen gefallen, oder wie es Hochhauser formulierte: "Wer rechnen kann, weiß wieso".

Offensiv-Duell

Salzburg gegen Rapid ist auch das Duell der besten Offensivreihen. Sorgte aufseiten der "Bullen" allein Torjäger Marc Janko für 30 der 57 Saisontore des Spitzenreiters, hält Rapid in erster Linie dank des kongenialen Sturmduos Stefan Maierhofer (19) und Erwin Hoffer (14) bei 55 Treffern. Umso größere Bedeutung werden daher auch die Defensivreihen bekommen. Jene der Salzburger erwies sich in der Wintervorbereitung sehr zum Ärger von Adriaanse nicht immer sattelfest.

"Unser Spiel ist auf Angriff bezogen, daher ergeben sich auch hinten viele Räume", meinte Österreichs Ex-Teamverteidiger Streiter, der die Grundtugenden "kompakt stehen, konzentriert spielen" hervorkramte. Trotz des 0:7 vor elf Monaten dürfen sich die Mozartstädter immerhin als von der Statistik begünstigt betrachten: Von den vergangenen fünf Aufeinandertreffen im Westen ging nur eben jenes Spiel verloren. Außerdem ist der Meister von 2007 in den vergangenen zwei Jahren zum Frühjahresauftakt immer als Sieger vom Platz gegangen.

In personeller Hinsicht darf sich der schwedische Neuzugang Eddy Gustafsson auf sein Pflichtspiel-Debüt im Tor einstellen, Neo-Teamspieler Andreas Ulmer wird wohl noch auf der Bank Platz nehmen. Mit Christoph Leitgeb (Knie) muss Adriaanse einen weiteren ÖFB-Teamkicker vorgeben, weiter im Aufbautraining befindet sich Ex-Kapitän Niko Kovac.

Einseitige Bilanz

Die Bilanz spricht eine klare Sprache, so gab es für die Grün-Weißen in sieben Auswärtspartien gegen Salzburg seit dem Red-Bull-Einstieg fünf Niederlagen und gerade einmal zwei Siege, darunter aber auch das 7:0 im vergangenen März, an das sich Kapitän Steffen Hofmann noch gerne erinnert. "Wir haben zwar innerhalb der Mannschaft zuletzt nicht über dieses Match gesprochen, aber bei jedem ist deswegen im Unterbewusstsein da, dass man in Salzburg gewinnen kann. Es muss ja nicht unbedingt wieder ein 7:0 sein", schmunzelte der Deutsche, dessen Club von rund 2.500 Fans begleitet wird. (APA)

Red Bull Salzburg - SK Rapid (Red-Bull-Arena, Sonntag 15.30 Uhr/live ORF1, SR Meßner). Bisherige Saisonergebnisse: 2:2 (a), 1:0 (h).

Salzburg: Gustafsson - Bodnar, Sekagya, Opdam, Gercaliu - Pitak, Vonlanthen/Tchoyi, Aufhauser, Jezek - Janko, Zickler
Ersatz: Arzberger - Ulmer, Öbster, Janocko, Ngwat-Mahop, Nelisse
Es fehlen: Kovac (erkrankt/im Aufbautraining), Meyer (Bänderverletzung im Knie), Leitgeb (Muskel-Spezialtraining wegen Knieproblemen), Dudic (Wadenprobleme), Boussaidi (rekonvaleszent), Ochs (Muskelriss im Oberschenkel)

Rapid: Payer/Hedl - Kayhan/Dober, Eder, Patocka, Katzer - Hofmann, Heikkinen, Pehlivan, Boskovic - Maierhofer, Hoffer
Ersatz: Hedl/Payer - Thonhofer, Kavlak, Drazan, Ketelaer, Jelavic, Gartler
Es fehlen: Hiden (Zerrung), Tokic (Fersenprobleme), Kulovits (Zehenbruch)

 

 

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