Novembertiefs durchbrochen, ZEW im Steigen

20. Februar 2009, 15:03
posten

Ein Kommentar aus dem Equity Weekly der Erste Group von Stephan Lingnau

Der Stoxx schloss diese Woche mit einem Minus von 2%. Das Verheerende war dabei, dass viele Indizes ihre Unterstützungen aus dem November nach unten hin durchbrochen haben. Im
Stoxx konnten nur Lebensmittelkonzerne (+1,3%) im Plus schließen. Versicherer (-11,4%) und
Banken (-9,36%) litten unter dem Verkaufsdruck am meisten. Der Baltic Dry Index hält sich
weiter bei etwa 2000 Punkten.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung rechnet angesichts des schlechten Starts ins neue Jahr mit einem Rückgang des BIP von deutlich mehr als 3%. Ein derart massiver Rückgang wäre bislang einmalig in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Die deutsche Bundesregierung rechnet für 2009 noch mit einem Rückgang um 2,25%. Die japanische Wirtschaft ist derweil angesichts eines beispiellosen Exporteinbruchs so stark geschrumpft wie seit 35 Jahren nicht mehr. Die Wirtschaftsleistung sank im vierten Quartal auf das Jahr gerechnet um gewaltige 12,7%.

Konträr zu diesen Hiobsbotschaften hellt sich die Stimmung unter Finanzmarktexperten weiter auf: Der ZEW- Index für Europa stieg im Februar weitaus stärker als erwartet und legte damit das vierte Mal in Folge zu. Die aktuelle Situation betrachten die Analysten jedoch weiter mit großer Skepsis und an der Börse verhallte der Optimismus am Dienstag ungehört.

Daimler kürzt die Dividende um 70%

Der Absatzeinbruch bei Mercedes-Benz und die Schieflage der einstigen US-Tochter Chrysler haben Daimler im vergangenen Jahr die Bilanz verhagelt. Unter dem Strich schrumpfte der Gewinn um 64% auf EUR 1,4 Mrd. und der Umsatz sank auf EUR 95,9 Mrd. (-3,6%). Im letzten
Quartal steht ein Minus von EUR 1,5 Mrd. zu buche. Die Dividende wird auf EUR 0,60 nach EUR 2,00 im Vorjahr gekürzt. Für das laufende Jahr zeigte sich Daimler pessimistisch, ohne eine genaue Vorhersage zu wagen.

Auch die Continental AG trifft die Absatzkrise der Autoindustrie mit voller Härte. Für 2008 verbuchte das Unternehmen einen Verlust von EUR 1,12 Mrd. Nicht besser sieht es für MAN aus. 2008 sank der Auftragseingang um 28%, bei schweren Lkw sogar um nahezu die Hälfte. Im vierten Quartal brachen die gesamten Bestellungen um 56% ein. Nur dank einer guten Entwicklung in den Geschäftsbereichen Dieselmotoren und Turbomaschinen wuchs der Umsatz 2008 auf EUR 14,9 Mrd. (+6%) und das operative Ergebnis auf EUR 1,73 Mrd. (+11%).

Lafarge will angesichts der Wirtschaftskrise seinen Sparkurs verschärfen und sich EUR 1,5 Mrd. frisches Kapital beschaffen. 2008 ist der Gewinn auf EUR 1,6 Mrd. geschrumpft (-16%) und blieb so hinter den Erwartungen des Markts zurück. Der Umsatz legte auf EUR 19 Mrd. (+8%) zu. Durch Deinvestitionen, die Kürzung von Investitionen, Halbierung der Dividende sowie weitere Maßnahmen soll die Bilanz um EUR 3 Mrd. entlastet werden. Anglo American hat die Dividende ganz gestrichen. Im vergangenen Jahr ist der Umsatz auf USD 32,96 Mrd. (-7,6%) gefallen und der Gewinn sank auf USD 5,22 Mrd. (-29%). Der Konzern will die Kosten um USD 2 Mrd. reduzieren, die Produktion einschränken und 19.000 Stellen streichen.

Air Liquide sticht heraus

Die französische Air Liquide hat den Wirtschaftseinbruch bislang gut gemeistert. Das Gewinnziel wurde 2008 erreicht und für dieses Jahr wurden weitere Zuwächse in Aussicht gestellt. Hauptgründe für die Stabilität sind die Aktivitäten in unterschiedlichen Märkten und langfristige Verträge. Air Liquide erzielte einen Gewinn von EUR 1,2 Mrd. (+8,6%) bei einem Umsatz von EUR 13,1 Mrd. (+11%).

Fresenius zeigt sich hingegen in der Krise robust. Im abgelaufenen Geschäftsjahr sind die Erlöse auf USD 10,6 Mrd. (+9%) gestiegen. Der Jahresgewinn legte auf USD 817 Mio. zu (+14%). In allen Unternehmensbereichen sind Umsatz und Ergebnis deutlich gesteigert worden. Die Dividende je Stammaktie soll auf EUR 0,70 nach EUR 0,66 im Vorjahr erhöht werden. Nicht so gut läuft es für Merck KGaA. Aufgrund der deutlichen Verluste im vierten Quartal 2008 von EUR -279 Mio. wird keine Prognose für dieses Jahr gegeben. Im Gesamtjahr stieg zwar der Umsatz auf EUR 7,5 Mrd. (+12%), der Gewinn brach allerdings auf EUR 367 Mio. (-90%) ein. 2007 war aus dem Verkauf der Generikasparte noch ein satter Gewinn eingefahren worden.

Absatz von Luxusgütern sinkt stark

Dank des Verkaufs seiner Alcon- Beteiligung für CHF 9,2 Mrd. hat Nestlé im abgelaufenen
Geschäftsjahr einen Gewinnschub verbucht. Der Überschuss ist auf CHF 18 Mrd. (+69%) gestiegen - verfehlte damit aber die Erwartungen. Der Umsatz blieb mit CHF 109 Mrd. (+2,2%)
fast konstant. Nicht besser läuft es beim Luxushersteller L'Oreal. Im vierten Quartal ließ die
Zurückhaltung der Verbraucher den Umsatz teurer Kosmetikartikeln um 6,3% sinken und mit
Massenprodukten läuft es nicht besser. Im Gesamtjahr 2008 steigerte L'Oreal den Umsatz
noch auf EUR 17,5 Mrd. (+2,8%), aber unter dem Strich verdiente L'Oreal mit EUR 1,95 Mrd. (-26%) deutlich weniger.

Swiss Re hat das Jahr 2008 mit einem geringer als angekündigten Verlust von CHF 864 Mio. abgeschlossen. Trotzdem braucht der Rückversicherer der Welt, der sich vor zwei Wochen von Warren Buffett CHF 3 Mrd. frisches Kapital geholt hat, nach der Rating-Zurückstufung durch S&P auf „A+" um 1,5 Milliarden Dollar mehr Kapital als bisher angekündigt. Axa hat hingegen im vergangenen Jahr „nur" einen Gewinneinbruch verzeichnet und mehr verdient als vom Markt erwartet. Der Überschuss ist auf EUR 923 Mio. (-83%) gesunken. Im zweiten Halbjahr wurde aber ein Nettoverlust von EUR 1,24 Milliarden erzielt. Die Dividende für 2008 soll von EUR 1,20 auf EUR 0,40 Euro gekürzt werden. Für das laufende Jahr zeigt sich Axa zuversichtlich und verweist auf die solide Bilanz.

ING Group hart getroffen

Für die meisten großen Banken, die diese Woche berichteten, lief es - wie zu erwarten - im
vierten Quartal schrecklich. Einzig Société Générale schaffte es einen Gewinn von EUR 87 Mio. zu erwirtschaften. Konkurrent BNP Paribas hingegen meldete einen Verlust von EUR 1,37 Mrd. Die Commerzbank musste ein Minus von EUR 809 Mio. verbuchen, die Postbank erzielte einen Verlust von EUR 710 Mio. und die ING Group muss ein den gewaltigen Verlust von EUR 3,7 Mrd. verkraften.

Nächste Woche stehen die Zahlen von Q-Cells, der Deutschen Börse, Accor, RWE und der Allianz an. Weiters wird der Ifo Index veröffentlicht und die Ergebnisse der Auftragseingänge der Industrie im Jänner stehen an.

Share if you care.