S&P500 fällt unter 800, Dow Jones schließt auf 6-Jahres-Tief

20. Februar 2009, 14:59
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Ein Kommentar aus dem Equity Weekly der Erste Group von Ronald-Peter Stöferle

Die US -Börsen gehen erneut mit herben Verlusten aus der Handelswoche. Der Dow-Jones-Index schloss auf dem niedrigsten Stand seit Oktober 2002, der S&P verliert 6,57% und hat somit die psychologisch wichtige Marke von 800 nachhaltig durchbrochen. Nach einem
überraschenden Rückgang der US-Lagerbestände steigt der Ölpreis um 12% auf USD 38/Barrel, Gold nähert sich unaufhaltsam der Marke von USD 1.000/Unze. Die Rendite der 10-jährigen Staatsanleihen lag bei 2,7%, die der 30-jährigen Bonds bei 3,56%.

Der Empire Manufacturing-Index, der die Geschäftsaussichten des Verarbeitenden Gewerbes im Bundesstaat New York abbildet, fiel im Februar auf einen neuen Tiefststand, ebenso die Baugenehmigungen und die Baubeginne. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stagnierten bei 627.000, die Erwartungen wurden verfehlt. Die Erzeugerpreise stiegen indes mit 0,8% (im Vergleich zum Vormonat) deutlicher mehr als erwartet (Konsens: 0,2%). Die Industrieproduktion fiel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 10%, der Sammelindex der Frühindikatoren konnte sich hingegen stabilisieren. Die Federal Reserve gab erstmals einen längerfristigen Ausblick. Man rechne weiterhin mit einem dramatischen Konjunktureinbruch in 2009, 2010 erwartet man 2,5 bis 3,3% Wachstum, 2011 ein BIP-Wachstum von 3,8 bis 5%.

Obama will Häusermarkt stabilisieren

Die Verabschiedung des Konjunkturpaketes in Höhe von USD 789 Mrd. brachte kaum Impulse. Präsident Obama will nun Hausbesitzern besonders unter die Arme greifen. Mit USD 75 Mrd. sollen knapp 9 Mio. Haushalte vor einer Zwangsversteigerung gerettet werden. Auch die angeschlagenen Hypothekenfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae sollen weiter gestärkt werden, sie erhalten USD 200 Mrd. um bestehende Kreditverträge günstiger umschulden zu können. Eine wirkliche Stabilisierung ist jedoch nicht zu erwarten, es werden erneut lediglich kurzfristige Symptome bekämpft. Der Leerstand verringert sich weiterhin nicht, eine Bodenbildung am Immobilienmarkt scheint nach wie vor in weiter Ferne.

Banken gehörten einmal mehr zu den größten Verlierern, nachdem die britische HBOS katastrophale Zahlen legte. Im Finanzsektor wachsen die Sorgen vor einer Verstaatlichungswelle der Großbanken, insbesondere Anteilsscheine von Citigroup (-30%)
und Bank of America (-34%) wurden verkauft. Meredith Whitney empfahl zudem Citigroup-
Aktien zu verkaufen. Wells Fargo musste den bereits gelegten Verlust nachträglich um weitere
7% nach unten revidieren. Die Jahreszahlen werden am 27. Februar präsentiert.

Wal Mart meldete einen Gewinnrückgang von 1%, die Markterwartungen wurden dennoch klar übertroffen. Goodyear legte einen überraschenden Quartalsverlust. Die Meldung wonach man 5.000 Stellen (knapp 7% der Belegschaft) streichen wolle, sorgte jedoch für Kursaufschläge. PepsiCo verdiente aufgrund von Einmaleffekten im Zuge der Umstrukturierung deutlich weniger. Das bereinigte Ergebnis lag allerdings über der Konsensschätzung. Zudem werde man nun 3.300 der insgesamt 185.000 Stellen abbauen und die Produktion zurückfahren.

GM benötigt weitere Milliarden

General Motors fällt 24% auf ein Rekordtief von USD 2. Hatte man Anfang Jänner noch lautstark verkündet, dass man keine weiteren Kapitalspritzen benötige, so verlangt man nun weitere USD 30 Milliarden von der Regierung. Auch Chrysler benötigt weitere USD 9 Mrd. Ohne das Geld drohe die baldige Pleite. Seitens der US-Regierung werden allerdings massives Entgegenkommen seitens der Gläubiger, Zulieferer und Gewerkschaften gefordert. Der Verkauf der Beteiligung an der chinesischen 50% Tochter SAIC Motor - einer der wenigen profitablen Geschäftsfelder GM's - dürfte nun doch gescheitert sein. Zudem plane man die Schließung oder den Verkauf von 3 Opel-Werken in Europa und den Verkauf der schwedischen Tochter Saab und sowie der Marke Hummer.

Hewlett Packard präsentierte enttäuschende Zahlen. Der weltgrößte PC-Hersteller verbuchte aufgrund des Konjunktureinbruchs und hoher Kosten für Stellenstreichungen ein geringeres Ergebnis als prognostiziert. Auch der Ausblick auf das Gesamtjahr las sich pessimistisch.

Mobilfunker Sprint Nextel legte einen Quartalsverlust in Höhe von USD 1,6 Mrd., die Aktie
reagierte mit einem Kurssprung in Höhe von 38 %. Die Restrukturierungsmaßnahmen würden
langsam greifen, der Ausblick fiel verhalten optimistisch aus. Qualcomm profitierte von einem
Auftrag von Nokia. Man werde für seine neue Handygeneration die Chips von Qualcomm
nutzen. ValueClick legte überraschend positive Quartalszahlen und hob die Gewinnprognose
an. Teva Pharmaceuticals konnten auf bereinigter Basis ein Rekordergebnis präsentieren.

Wegen der Übernahme des US -Konkurrenten Barr Pharma war man jedoch in die Verlustzone
gerutscht. Ohne die Einmalaufwendungen stieg der Gewinn im Q4 auf USD 634 Mio. Die
Aktionäre von AMD genehmigten indes die Auslagerung aller Fabriken. Am Joint Venture mit
dem Emirat Abu Dhabi werde man 34,2% der Anteile halten, die Stimmrechte sind hingegen
gleichmäßig zwischen den Partnern aufgeteilt.

Nachdem 421 der im S&P500 gelisteten Unternehmen Quartalszahlen gelegt haben, lässt sich
ein äußerst negatives Resümee ziehen. Die Gewinne fielen im Schnitt um 35%, gewichtet nach
Marktkapitalisierung um 17,9%. Naturgemäß konnten die Sektoren Healthcare (+ 10%),
nichtzyklischer Konsum (+9,9%) sowie Versorger (-0,9%) die besten Ergebnisse melden. In der
nächsten Handelswoche erwarten wir Quartalszahlen von Wynn Resorts, Home Depot und
Dell. Der Case-Shiller Index und Immobiliendaten sollten zudem für Impulse sorgen. Aufgrund der extrem schwachen technischen Verfassung der US -Indizes erscheint ein Test der
November-Lows wahrscheinlich.

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