Wr. Börse: Glas wird nur mehr halb leer gesehen

20. Februar 2009, 14:55
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Ein Kommentar aus dem Equity Weekly der Erste Group von Günther Artner

Raiffeisen Int.: EUR 982 Mio. Nettoergebnis, Erste: EUR 860 Mio. - das alles trotz schon erhöhter Risikovorsorgen. Man könnte glauben, dass Aktionäre zufrieden sind und diese beiden Aktien andere Bankwerte, die mit Milliardenverlusten zu kämpfen haben, massiv outperformen. Dem ist aktuell aber nicht so. International wird aktuell sehr einseitig über Risiken der Region Osteuropa berichtet, was Investoren zu weiteren Verkäufen von Aktien an der Wiener Börse, allen voran wieder die Bankenwerte, motivierte. In dieser Woche verunsicherte Moody's mit einer solchen Studie massiv die Investoren. Es wird wohl noch das eine oder andere Quartal vergehen müssen, bis die Investoren realisieren, dass die CEE-Region trotz des Wachstumseinbruchs im heurigen Jahr mittelfristig wieder auf die Überholspur zurückwechseln wird. Vor allem die zwar stark gewachsene, aber absolut gesehen noch immer geringe Verschuldung sollte dazu beitragen, dass die CEE-Region keine nachhaltige Wachsstumsschwäche aufweisen wird. Wir bleiben daher bei unser Kaufempfehlung für die Vienna Insurance Group und bei unserer positiven Einstufung der Raiffeisen Int. Aktie, obwohl wir natürlich weitere Kursturbulenzen oder Rückschläge in den nächsten Wochen nicht ausschließen können.

Trotz aller Unsicherheiten sind zuletzt von Stimmungsindikatoren wie dem ZEW-Index auch erste Anzeichen für einen besseren Ausblick gekommen. Denn objektiv gesehen herrscht zwar große Unsicherheit, allerdings verfügen die Konsumenten durch die sinkende Inflation und die (in Österreich) nun kommenden Steuerreformeffekte über ein deutlich steigendes real verfügbares Einkommen. Wenngleich kurzfristig noch mit keiner Aktienoutperformance gerechnet werden kann, bieten einzelne Werte (wie aktuell eben zum Beispiel Vienna Insurance Group, Andritz, Intercell oder OMV) doch mittelfristig interessante Perspektiven. Wir wollen daher auf die weiterhin hohen Unsicherheiten und Volatilitäten hinweisen, wollen das Glas aber eben auch halb voll und nicht nur halb leer sehen. Eine nachhaltige Bodenbildung des Gesamtmarkts wird noch dauern und auch ein schneller Rebound erscheint derzeit kurzfristig unwahrscheinlich.

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