Großprojekte in Südosteuropa derzeit schwer realisierbar

20. Februar 2009, 13:29
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Wegen steigender Kapitalkosten - 2009 Aufstockung bei Italien-Tochter auf knapp 45 Prozent

Wien - Die österreichische Verbundgesellschaft will im Ausland in den kommenden Jahren vor allem seine Beteiligungen in Italien, Frankreich und der Türkei forcieren. In Italien soll noch heuer die Beteiligung an der italienischen Sorgenia Group, die in erneuerbare Energie investiert, von derzeit 42,7 Prozent auf knapp 45 Prozent erhöht werden. Dafür nimmt der Verbund rund 150 Mio. Euro in die Hand. Eine Mehrheitsübernahme sei aber nicht geplant. Der Zukunftsmarkt sei aber die Türkei, erklärte Christian Kern, zuständiger Vorstand bei Verbund.

Für die Realisierung von Großprojekten in Südosteuropa sieht Kern in der Branche derzeit aufgrund der Probleme im Finanzsektor wenig Chancen. Der Bau von Kraftwerken sei ein Langzeitprojekt mit einer Durststrecke von bis zu 7 Jahren bis die ersten Rückflüsse erfolgen. Außerdem werde die Finanzierung in der Region immer teurer. So stiegen die Kapitalkosten zuletzt um rund 5 Prozent. "Eine gute Finanzausstattung ist derzeit ein Wettbewerbsvorteil", so Kern.

Im Vorjahr hatte der Verbund rund 400 Mio. Euro im Ausland investiert. Wie viel es heuer sein wird, könne man aber nicht sagen. Man habe aber ein "ambitioniertes" Investitionsprogramm vorbereitet.

Enormes Potenzial in der Türkei

Das Potenzial in der Türkei sei enorm. Mit der kompletten Übernahme des Stromverteilers Baskent EDAS (Baskent Elektrik Dagitim AS) gemeinsam mit dem türkischen Partner Sabanci Holding um 1,225 Mrd. Dollar (930 Mio. Euro) sei man in der Türkei gut aufgestellt. Bis 2015 will der Verbund mit seinem türkischen Partner 5.000 MW neuer Kraftwerksleistung mit Schwerpunkt Wasserkraft bauen. Gemeinsam mit Sabanci will man 10 Prozent des türkischen Strommarktes erobern. Baskent EDAS hält derzeit rund 9 Prozent am gesamten türkischen Strom-Endkundenmarkt.

Die Türkei ist mit ihren mehr als 70 Millionen Einwohnern ein ähnlich großer Markt wie ganz Zentraleuropa. Aktuell liegt der Pro-Kopf-Stromverbrauch in der Türkei nur bei rund einem Drittel des europäischen Durchschnitts, obwohl es in den vergangenen 15 Jahren eine Verdreifachung des Pro-Kopf-Verbrauchs gegeben hatte. Für die Türkei werden jährliche Wachstumsraten von 6,2 Prozent prognostiziert - im Vergleich dazu in Österreich 1,7 Prozent. Bis 2020 soll sich der Stromverbrauch in der Türkei mehr als verdoppeln, rechnet der Verbund.

Südosteuropa von Interesse

Eine weitere interessante Region mit einem großen Potenzial für für den Verbund ist Südosteuropa. "In den kommenden Jahren wird das Gebiet Ex-Jugoslawiens wieder ein integrierter Strommarkt werden", ist Kern überzeugt. Derzeit sind viele Kraftwerksprojekte ausgeschrieben. Allerdings sind die Rahmenbedingungen aus Verbund-Sicht teilweise noch nicht attraktiv genug. So wurden bis zum Ausbruch der Wirtschaftskrise in Südosteuropa etwa im Großkundenbereich deutlich höhere Preise verlangt als in Österreich oder Deutschland. So hatte die Megawattstunde (MWh) bis zu 90 Euro oder 30 Prozent mehr gekostet.

Durch die Wirtschaftskrise und den damit verbundenen Rückgang der Industrieproduktion wurden die Preise halbiert, was Neuinvestitionen nicht leichter mache, so Kern. Allerdings sei zu erwarten, dass beim Einsetzen des Wirtschaftsaufschwunges die Preise wieder anziehen.

Außerdem kämpfen Investoren in der Region oft mit den schwierigen Ausschreibungsbedingungen. Zwar gebe es für einzelne Projekte oft zahlreiche Interessenten, allerdings würden die Verfahren oft eingestellt, wie etwa zuletzt bei der Kraftwerksauschreibung im mazedonischen Negotino. Die Staaten aber auch die Energieversorger selbst hätten für den Bau von Kraftwerken oft kein Geld, erklärte Kern. (APA)

 

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