Behaltefrist darf nicht fallen

20. Februar 2009, 12:59
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Wirtschaftskammer-Präsident Leitl forderte kürzlich die Streichung der bestehenden Regelung - die Gewerkschaften sind dagegen

Wien - Die Gewerkschaften verteidigen die Behaltefrist der Mitarbeiter im Falle von Kurzarbeit. Das völlige Kippen der Behaltefrist im Falle von Kurzarbeit würden sich die Folgekosten weiter zu Ungunsten der Arbeitnehmer verschieben. Für Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl hingegen stellt die Behaltefrist für Unternehmen, die sich zum Modell der Kurzarbeit entschließen, eine "unzumutbare Einschränkung" dar und müsse unverzüglich gestrichen werden.

Wie berichtet ist das Ausmaß der Behaltefrist derzeit an die Dauer der Kurzarbeit gekoppelt. Fünf Monate Kurzarbeit bedeutet beispielsweise, dass das Unternehmen im Anschluss daran fünf Monate lang den Beschäftigtenstand nicht verändern darf - ungeachtet der Auftragslage. Kommende Woche wird das Modell der Kurzarbeit zwischen den Sozialpartnern neu verhandelt.

"Die Behaltefrist ist sozusagen der gerechter Beitrag, den Unternehmer für die Leistungen der ArbeitnehmerInnen zu zahlen haben", erklären der Vorsitzende der Gewerkschaft Metall, Textil, Nahrung (GMTN), Rainer Wimmer, und der stellvertretende Bundesgeschäftsführer der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-DJP), Karl Proyer, zum Vorstoß von Leitl.

Löwenanteil

Die Arbeitnehmer leisteten schon jetzt in Form von Einkommensverlust und öffentliche Förderungen, die zum Großteil aus Massensteuern finanziert werden, einen Löwenanteil bei der Bewältigung der Wirtschaftskrise.

Während der Dauer der Kurzarbeit könne bei weiteren Einbrüchen das Arbeitszeitausmaß in Kooperation mit dem Arbeitsmarktservice weiter herabgesetzt oder bei besserer Auftragslage hinaufgesetzt werden. Dadurch können die Unternehmen sich auf den jeweiligen Auftragsstand flexibel einstellen, zugleich ergebe sich für die Arbeitnehmer eine gerade noch erträgliche soziale Situation.

"Bei Kurzarbeit bleiben die Arbeitnehmer im Betrieb, bei Kündigungen geht wertvolles Know-how verloren", so Wimmer. "Würde man jedoch die Behaltefrist bei Kurzarbeit abschaffen, würde der Schutzschirm, den wir mühsam und voller Verantwortung alle gemeinsam spannen, ausschließlich jene schützen, die in Zeiten der Hochkonjunktur besonders gut verdient haben."

Würden alle unternehmerischen Risiken auf die Öffentlichkeit abgewälzt werden, bleibt die Frage, worin überhaupt noch dieses Risiko bestehe. (APA)

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