Opel benötigt zusätzliche Milliarden

20. Februar 2009, 19:52
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Ohne weitere Garantien vom Staat droht der deutschen GM-Tochter ab März das Geld auszugehen

Rüsselsheim/Stockholm - Der Kapitalbedarf von Opel, einer Tochter des angeschlagenen US-Konzerns General Motors (GM), ist offenbar weitaus größer als bisher bekannt. Dem Rüsselsheimer Traditionsunternehmen drohe ab März das Geld auszugehen, hieß es am Freitag aus Regierungskreisen in Berlin. Opel spreche von einem Bedarf an Staatsgarantien in Höhe von 2,6 Milliarden Euro. Bisher war von 1,8 Milliarden die Rede.

Zudem würden Kredite aus dem Programm der Europäischen Investitionsbank über 1,6 Mrd. Euro für Forschung und Entwicklung benötigt, sagte ein Insider. Nach der schwedischen Schwestermarke Saab droht damit eine zweite Tochter des GM-Konzerns in finanzielle Bedrängnis zu geraten.

"Opel will erst in den nächsten zwei Wochen eine Zahl nennen", sagte ein Regierungsvertreter. "Solange sind alle Summen Spekulation."

3,3 Milliarden benötigt

Eine Person mit direkten Kenntnissen der Situation bei Opel sagte, der Liquiditätsbedarf des Autobauers liege derzeit bei etwa 3,3 Mrd. Euro. Das heiße nicht automatisch, dass eine Bürgschaft über 3,3 Mrd. Euro benötigt werde. Opel hat im vorigen November bei der Regierung in Berlin einen Garantierahmen beantragt, um im Falle einer Insolvenz ihres amerikanischen Mutterkonzerns GM nicht mit in die Tiefe gerissen zu werden.

Spekulationen über einen möglichen Einstieg von Daimler bei Opel nach dessen Herauslösung aus dem GM-Konzern wurden am Freitag von Betroffenen zurückgewiesen "Daimler ist nicht an einer Übernahme interessiert", sagte ein Sprecher. Zuvor hatte dies auch BMW ausgeschlossen.

Saab-Insolvenz trifft Graz

Die schwedische GM-Tochter Saab will sich indessen unter Gläubigerschutz sanieren. Das Traditionsunternehmen hat am Freitag Insolvenz angemeldet. Eine Sprecherin teilte mit, Saab habe bei Gericht den Antrag zu einer Neuorganisation der Marke als unabhängiges Unternehmen gestellt.

Der Autobauer kündigte zudem an, die gesamte Entwicklung und Produktion von Fahrzeugen der eigenen Marke nach Schweden zu holen. Die Neuorganisation von Saab mit seinen rund 4000 Mitarbeitern habe das Ziel, ein "völlig unabhängiges" Unternehmen zu schaffen, das zukunftsfähig sei und offen für Investitionen, sagte Saab-Chef Jan Ake Jonsson. Von einem endgültigen Aus für die Autoproduktion bei Saab wären einschließlich Zulieferern international bis zu 30.000 Arbeitsplätze betroffen.

Von der Saab-Insolvenz ist auch Magna Steyr in Graz betroffen. Der Autozulieferer hat 2007 in Graz-Thondorf 17.000 Saab-Cabrios erzeugt, 2008 waren es noch 11.000 Cabrios. Laut Experten wird die Produktion 2009 auf rund 5000 zurückgehen. (Reuters, dpa, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21./22.2.2009)

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    Nicht nur Schnee und Kälte setzen den Schweden zu: Saab, Schwesterunternehmen von Opel und Tochter des US-Konzerns GM, hat Insolvenz angemeldet und einen Antrag auf Neustrukturierung gestellt.

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