"Wir fahren mit angezo­gener Handbremse"

20. Februar 2009, 12:13
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1848 legte der Brunnenbauer Josef Recher den Grundstein für den heutigen Installationsbetrieb. Das Geschäft läuft gut, doch es mangelt an Fachkräften

Irgendetwas läuft schief: Mitarbeiter gesucht. Vollzeit. Einschulung möglich. Ein Gehalt, das sich sehen lassen kann. Die Zahl der Arbeitslosen nimmt stetig zu – allein, Installateure dürften sich unter den Jobsuchenden keine finden. So zumindest erlebt das ein kleines Unternehmen in Niederösterreich, etwa 35 Autominuten von Wien entfernt.

Seit neun Monaten sucht der Familienbetrieb Fachkräfte, genauer gesagt zwei Monteure und einen Service-Techniker. Bislang ohne Erfolg. Weder AMS noch Inserate in diversen Regionalzeitungen, noch private Plakataktionen konnten helfen. Ein Personalunternehmen vermittelte immerhin einen Leiharbeiter.

Großmugl im Jahr 1848. Josef Recher gründet das gleichnamige Unternehmen. Fast 30 Jahre später übersiedelt der Betrieb nach Hollabrunn. Was als Brunnenbauer beginnt, wird Jahre später ein Installationsbetrieb. Im vergangenen Jahr feiert das Unternehmen den 160. Geburtstag. "Seit mittlerweile sechs Generationen wurde das Unternehmen in direkter Linie vom Vater zum Sohn weitergegeben", so der künftige Geschäftsführer Jürgen Recher, der mit Ende des Jahres der neue Chef wird, zu derStandard.at.

Wie bei jedem Generationswechsel bringt auch er neuen Schwung und neue Ideen mit. Allen voran die verstärkte Arbeit im Bereich der Alternativen Energien und Beratungstätigkeit. Im Unterschied zu seinen Vorgängern – alle gelernte Installateure – hat Recher jun. ein Wirtschaftsstudium und Berufserfahrung in anderen Branchen hinter sich. Dennoch war im Grunde klar, dass er den elterlichen Betrieb weiterführen wird, hat er doch von Kind auf mitgearbeitet. Schmunzelnd erinnert sich der 27-Jährige an seine Schulzeit, als er einen Fünfer heimbrachte. Die pragmatische Reaktion seiner Mutter: "Du hast zwei gesunde Hände, du kannst sofort mit der Lehre beginnen."

Die Zunft der klassischen Gas,- Wasser- und Heizungsinstallateure sieht Recher als krisensicheres Geschäft. Aufträge gebe es genug – nur die Fachkräfte fehlten eben. "Wir müssen einiges verschieben oder überhaupt ablehnen." Und: "Die Lehre ist aus der Mode gekommen. Sie hat heutzutage einen negativen Beigeschmack," versucht sich Recher in der Ursachenforschung. Zudem seien die Löhne im grenznahen Tschechien in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Fachkräfte aus dem Ausland blieben daher ebenfalls aus.

Ein Grund, sich für die Zukunft zu rüsten: "Wir fahren derzeit mit angezogener Handbremse. Sollten wir weiterhin keine Mitarbeiter finden, müssen wir das Unternehmen neu ausrichten: Weniger Installationsbetrieb, dafür mehr Beratungstätigkeit."

Im Ort kennt jeder die Rechers. Neben fachlicher Kompetenz schätzen die Hollabrunner auch deren Einsatz-Bereitschaft und Kreativität. So wurde zum Beispiel am Weihnachtsabend dem frierenden Bürgermeister "auf die Schnelle" die Heizung repariert. Sind Ersatzteile für ein defektes Gerät nicht lagernd, rückt schon einmal ein Mitarbeiter aus und bringt zumindest einen Heizungsstrahler vorbei, um eine Notsituation abzufedern.

Ein Arbeitseinsatz in guter Gesellschaft. Recher: "Ums Eck gibt es noch einen Dachdecker und einen ehemaligen Fassbinder, heute ein Holzgeschäft. Beide Unternehmen sind ebenfalls schon über 100 Jahre alt." (ch)

  • Maria und Josef Recher, die Firmengründer.
    foto: recher

    Maria und Josef Recher, die Firmengründer.

  • Sechs Generationen später übernimmt Jürgen Recher den Familienbetrieb.
    foto: recher

    Sechs Generationen später übernimmt Jürgen Recher den Familienbetrieb.

  • Das Unternehmen floriert, leider mangelt es an Fachkräften.
    foto: recher

    Das Unternehmen floriert, leider mangelt es an Fachkräften.

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