Island lässt doch 250 Wale töten

20. Februar 2009, 12:32
15 Postings

Neue Regierung bestätigt Fangquote für das laufende Jahr - Umweltschützer protestieren

Reykjavik - Hoffnung für Wale war aufgekeimt, als Islands künftige Ministerpräsidentin Jóhanna Sigurdardóttir Ende Jänner erklärt hatte, dass die neue Regierung den Walfang stark einschränken oder ganz verbieten wolle. Das Gegenteil ist indessen eingetreten, denn die von der abgewählten isländischen Regierung festgesetzten Walfangquoten für jährlich 150 Finn- und 100 Zwergwale wurden nun vom neuen Fischereiminister Steingrimur Sigfusson bestätigt - obwohl Finnwale zu den vom Aussterben gefährdeten Tierarten zählen. Die Quoten wurden für das laufende Jahr festgesetzt, die kommenden vier Jahre - die alte Regierung hatte die Quoten bis 2013 festgelegt - seien noch unentschieden, wurde der Minister im "Australian" zitiert.

Zuvor hatte das isländische Parlament (Althing) bereits am 11. Februar die Fortsetzung des kommerziellen Walfangs und die Fangquotenvergabe durch den Ex-Minister mit 63 zu 36 Stimmen unterstützt.

Kritik

Internationale Umweltgruppen protestieren gegen diese Entscheidung. "Die Entscheidung steht im Widerspruch zu einigen Signalen des neuen isländischen Regierungskabinetts aus den vergangenen Tagen und trotzt breiten internationalen Protesten, darunter auch der deutschen Bundesregierung", meint Nicolas Entrup, Geschäftsführer der deutschen Whale and Dolphin Conservation Society (WDCS).

"Die meisten Menschen glauben, dass Walfang nur Japan betrifft", so Entrup. Dabei gebe es in Norwegen, auf den Färöer und in Island ein Riesenproblem mit dem Walfang. "Es ist nicht einzusehen, dass Länder in Europa internationale Naturschutzvereinbarungen nicht einhalten, sondern mit Füßen treten", meint Entrup.

EU gefordert

Eine klare Reaktion sei nun von der EU gegenüber einem Staat gefordert, der gerade in der jetzigen Finanzkrise von ausländischem Kapital abhängig ist. "Da auch Islands Fischerei von der EU abhängt, sollte beim Thema Walfang massiver Druck ausgeübt werden, der über diplomatische Protestnoten hinausgeht", fordert der Umweltschützer. "Ein Boykott von isländischem Fisch wäre eine Möglichkeit."

Internationale Umweltschützer vermuten, dass die riesigen Mengen an Walfleisch, vor allem jenes von Finnwalen, nicht zum Konsum im eigenen Land gedacht sei, sondern ausschließlich für den Export. (pte/red)

Share if you care.