Verlust frisst halbes Grundkapital

20. Februar 2009, 10:10
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Die für Mitte Mai geplante Hauptversammlung wird auf den 14. April vorverlegt, der Vorstand kalmiert, die Aktie schmiert ab, die Lufthansa bleibt bei ihrem Angebot

Wien - Neue Krisenmeldung von den Austrian Airlines: Der Verlust hat das halbe Grundkapital erreicht. Das Management ist damit nach dem Aktiengesetz verpflichtet, die Aktionäre zusammenzutrommeln und unverzüglich darüber zu informieren. Man habe daher die für 15. Mai 2009 geplante ordentliche Hauptversammlung auf den 14. April 2009 vorverlegt, teilte der AUA-Vorstand am Donnerstag Abend ad hoc mit.

Basierend auf dem vorläufigen Jahresabschluss zum 31.12.2008 wurde festgestellt, dass zum 31. Jänner 2009 ein kumulativer Verlust in Höhe des halben Grundkapitals bestehe, teilt die heimische Airline in einer ad-hoc-Mitteilung mit.

Laut Aktiengesetz (AktG) muss der Vorstand der Hauptversammlung diesen Umstand zur Kenntnis bringen und eine solche einberufen. Die für 15. Mai geplante ordentliche HV wurde nun auf den 14. April vorverlegt. Verlust allein im Jänner rund 7 Mio. Euro - Malanik: "Es wird die Lufthansa nicht überraschen"

132 Millionen Euro Verlust

Das Grundkapital der Austrian Airlines AG beträgt 264 Mio. Euro. Der Verlust für 2008 plus Jänner 2009 beträgt also kumuliert zumindest 132 Mio. Euro. Damit war kumulativ das halbe Grundkapital aufgezehrt. Angaben über die genaue Höhe des Verlusts wollten die beiden Vorstände Peter Malanik und Andreas Bierwirth am Donnerstag Abend vor Journalisten in Wien nicht machen, weil es sich um vorläufige Zahlen handle.

Die AUA hatte im Dezember für das operative Geschäft der AG im Jahr 2008 (Sondereffekte wie Flugzeugabschreibungen nicht inkludiert) einen Verlust zwischen 100 und 125 Mio. Euro prognostiziert. Inklusive Abschreibungen etc. hatte der AUA-Konzern einen Verlust von bis zu 475 Mio. Euro in Aussicht gestellt. Der Verlust im Jänner habe "so etwa" 7 Mio. Euro betragen, sagte Malanik. Der AUA-Vorstand ist somit nach den Bestimmungen des Aktiengesetzes verpflichtet, die Aktionäre bei einer außerordentlichen Hauptversammlung zu informieren. Nach dem Ergebnis des vergangenen Jahres "überrascht uns das nicht", sagte Malanik, "und es wird auch die Lufthansa nicht überraschen".

Vorstand sieht weiter keine Insolvenzgefahr

Die AUA-Führung sieht trotz der Verlustausweitung weiterhin keine Gefahr einer Insolvenz der Airline. "Die AUA hat kein Liquiditätsproblem", sagte Vorstand Andreas Bierwirth am Donnerstag Abend. Allerdings müssten auf der Ergebnisseite die Probleme "kompensiert" werden. Der Vorstand geht davon aus, dass die AUA mit der staatlichen Nothilfe von 200 Mio. Euro bis zum Closing der Übernahme durch die Lufthansa auskommen wird. "Ja, wir werden es schaffen", versicherte Bierwirth auf Journalistenfragen.

Ein Konkurs oder Liquiditätsprobleme seien nicht die Frage, sondern das mögliche Abspringen der Lufthansa, sollten die für den Kauf vereinbarten Bedingungen nicht eingehalten werden. Die 200 Millionen sollen laut Plan zur Schuldentilgung verwendet werden und nicht, um laufende Verluste abzudecken. Wenn es gelinge, das Sparpaket von 225 Mio. Euro durchzubringen, "dann wird es uns auch gelingen, die Lufthansa nicht mit der Abdeckung operativer Verluste beunruhigen zu müssen", sagte Malanik.

Die Aktien sind heute Freitag im frühen Geschäft an der Wiener Börse deutlich abgeschmiert. Die Titel fielen um 7,81 Prozent auf 3,07 Euro. Ein Händler machte die am Vorabend bekanntgewordene Nachricht, dass der Verlust der Fluglinie 2008 inklusive Jänner 2009 kumuliert die Hälfte des Grundkapitals erreicht hat, für den Kursabschlag verantwortlich.

Lufthansa bleibt an Board

Die deutsche Lufthansa steht zu ihrem Angebot. "Die Lufthansa ist ein verlässlicher Partner und steht zu ihrem Angebot", unterstrich eine Sprecherin. Dennoch müssten sich alle des Ernstes der Lage bewusst sein. Man erwarte aber einen "signifikanten Beitrag" der externen Partner wie OMV und Flughafen Wien.

Das Angebot sei vor der Finanzkrise gelegt worden, nun müsse sichergestellt werden, dass die im Vertragsentwurf festgehaltenen Bedingungen trotz Krise eingehalten werden, so die Lufthansa-Sprecherin. Die AUA selbst habe mit dem Sparpaket bereits den richtigen Kurs eingeschlagen, sagte die Sprecherin. (APA)

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    Immer schärferer Wind umweht die heimische Airline.

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